Ende 2011 hat Aerosoft die Bronco X veröffentlicht. Das Original, ein zweimotoriges Turbopropflugzeug, wurde damals für die US-amerikanischen Streitkräfte entwickelt und sollte auch auf besonders kurzen Pisten starten als auch landen können. Nachdem Anfang Februar dann auch das Update, welches mehrere neue Modelle enthält, released wurde, haben wir von flusinews.de uns daran gesetzt und das Add-On ausgiebig getestet. Aerosoft verspricht eine „Maschine wie gemacht für virtuelle Piloten, die den Umgang mit detaillierteren Systemen üben wollen“. Ob das nun auch wirklich zutrifft und wie gut die Bronco X mit den vielen verschiedenen Features wie zum Beispiel einem hochdetaillierten Modell, Triebwerks-Verschleiß und der interaktiven Checkliste wirklich ist, das hat Frank für uns herausgefunden.

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Das Original

Die North American Rockwell OV-10, besser bekannt als Bronco, ist ein zweisitziges Turbopropflugzeug mit hervorragenden STOL-Eigenschaften. Das leichte Beobachtungs-, Angriffs- und Transportflugzeug ergab sich letztendlich aus dem Korea-Krieg, denn die damaligen Flugzeuge waren nur unzureichend für den Dschungelkampf geeignet. Die Lösung besteht aus insgesamt vier Buchstaben: LARA (Light Armed Reconnaissance Aircraft). Den Zuschlag für den schließlichen Bau erhielt dann die OV-10 Bronco, sie konnte sich gegen die acht anderen Entwürfe durchsetzen. In Vietnam bewährte sich das Flugzeug auch schon, denn sie wurde für das „Misty Bronco“ Verfahren eingesetzt. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Verfahren der Luftnahunterstützung, bei dem die OV-10s den Bodentruppen massive Feuerunterstützung gaben. Dies erfolgte sehr schnell, da die Bronco ja bekanntlicherweise so gut wie überall starten kann. Währenddessen wurden Jagdbomber, welche an weiter entfernten Airports stationiert waren, angefordert. Wenn diese ankamen, stieg die Bronco wieder in den Himmel hinauf, um den schwer bewaffneten Jets nicht im Weg zu sein.

Bereits nach ungefähr einem Jahr wurde die Produktion der OV-10A eingestellt. Doch das war nicht das Ende der Bronco, denn es wurde an einer kampfwertgesteigerten Version für die amerikanische Marineinfanterie (US Marine Corps oder kurz „USMC“) getüftelt. Eine stark modifizierte Version, OV-10D genannt, war das Ergebnis. Diese wurde auch noch im zweiten Golfkrieg eingesetzt, doch danach wurden sie durch modernere Waffensysteme ersetzt. Neben den USA verwendeten mehrere andere Staaten die OV-10 Bronco, darunter auch Deutschland, denn die Luftwaffe bestellte 18 Maschinen , welche als Zielschleppflugzeug genutzt wurden. Das ist auch der Grund für die orangefarbigen Flächen, denn so wurde sichergestellt, dass die Bronco nicht mit dem zu schleppenden Ziel für Flak-Übungen verwechselt wird. Die deutschen Maschinen OV-10B waren im Gegensatz zu den Flugzeugen anderer Staaten unbewaffnet. Insgesamt 356 Exemplare wurden von 1968 bis 1976 produziert und in manchen US Bundesstaaten wird sie wegen ihren hervorragenden STOL-Eigenschaften für die Feuerbekämpfung eingesetzt.

Der Entwickler

Die Bronco X wurde von verschiedenen Mitarbeiten Aerosofts entwickelt und folglicherweise auch durch die bekannte Firma veröffentlicht. So arbeiteten unter anderem Frank Wiesmann, Stefan Hoffman, Finn Jacobson aus Finnland und noch ein paar andere an dem Projekt. Dank der German Wing OV-10 Bronco Organisation (GWOBA), welche einige der Flugzeuge von der Luftwaffe übernommen hat, wurde es möglich das Add-On zu entwickeln.

Kauf, Download und Installation

Rund 30€ kostet das Produkt, der Kauf erfolgt schnell und einfach über den Aerosoft-Shop. Hier kann man auf verschiedene Arten bezahlen und der 173 MB große Download erfolgt wie gewohnt in angemessener Geschwindigkeit und problemlos. Der ein oder andere Flightsimmer mag sich vielleicht folgendes denken: „Die Bronco muss ich jetzt ja wie alle anderen neuen Aerosoft-Produkte online aktivieren. Das will ich nicht und deshalb kaufe ich sie mir nicht!“. Doch dies ist bei der OV-10 nicht der Fall. Man muss lediglich den Installer ausführen, Email-Adresse und Serial eingeben und letztendlich die Installation starten. So ist das Add-On schnell und einfach auf der Festplatte und die Dateien in den richtigen Ordnern – und das völlig ohne den Launcher. Wie gewohnt sind alle wichtigen PDF-Dateien wie das Manual und die Checklisten im Unterordner „aerosoft“, welcher im FSX-Hauptverzeichnis zu finden ist. Des Weiteren wurden Verknüpfungen im Hauptmenü angelegt, so muss man nicht immer den umständlichen Weg nehmen.

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Das Handbuch

Es zählt wenige 36 Seiten, das ist im Vergleich zu anderen Add-Ons wenig, aber ich will ja nicht urteilen bevor ich es mir noch gar nicht angeschaut habe. Verfasst ist das Handbuch in Englisch und in Deutsch. In beiden Sprachen ist alles gut verständlich beschrieben und erklärt. Das geht von den empfohlenen FSX-Einstellungen über das eigens von Aerosoft entwickelte GPS bis zur Beschreibung der Knöpfe und Schalter an den verschiedenen Panels. Auch das interaktive Checklisten-Gauge wurde hier erläutert, doch auf dieses werde ich später noch einmal genauer eingehen.

Das Außenmodell

Insgesamt gibt es acht verschiedene Modelle. Hierbei handelt es sich um Versionen der USAF, USMC, der NASA sowie der OV-10 Bronco Association-German Wing und des California Department of Forestry & Fire Protection. Diese unterscheiden sich in Bemalung, Bewaffnung und Anzahl der Außentanks. Laut den Entwicklern hat die Bronco X „eines der detailliertesten 3D-Modelle das jemals für den FSX entwickelt wurde“. Ob dies wirklich so ist findet man schnell heraus, denn man muss lediglich den FSX starten und die OV-10 auswählen. Hier scheint Aerosoft mit der Beschreibung Recht zu haben. Beim Außenmodell der Bronco X findet man alles vor, was auch die reale Bronco hat.

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Die Designer haben doch tatsächlich alles modelliert, was sie nur finden konnten. Die Antennen, die Außenleuchten wie Anti Kollisions Lichter und Positionslichter, die Scharniere der hinteren Frachttür, Lufteinlässe, die Sprengbolzen des Abwurftanks und sogar die Stangen an den Höhen- und Seitenrudern, welche die Steuersignale übertragen, wurden in 3D modelliert. Auch verschiedene Halterungen am Außenmodell, der Scheibenwischer und das Ende des Abgasrohres sehen exakt so aus wie beim realen Vorbild. Es ist sogar möglich, diverse Kabelstränge, und andere Details, welche sich im Cockpit befinden von außen zu betrachten und auch die Streben im Gepäckraum machen das Modell nur noch authentischer. Vergleichen mit Bildern des realen Flugzeuges hält das FSX-Modell stand, oft ist kaum ein Unterschied erkennbar, wie unter anderem am Fahrwerk. Äußerst gelungen sind definitiv die Reflexionen an der Cockpitkanzel, ich vermag fast zu sagen, dass ich noch nie bessere gesehen habe. Alle standardmäßigen Animationen sind vorhanden, dazu kommen noch ein paar „Specials“ wie zum Beispiel die Scheibenwischer und mehrere Klappen am Flugzeug.

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Einen kleinen Minuspunkt gibt es allerdings für die Texturen. Diese sind zwar zum Großteil scharf, doch kleinere Schriftzüge lassen sich nur schwer bis gar nicht entziffern. Hier wäre es eventuell von Vorteil gewesen, ein Tool für die Änderung der Textur-Qualität beizulegen. Denn bekanntermaßen sind Texturen mit höherer Auflösung nicht mehr ganz so Performanceschonend, und User mit einem schwächerem System könnten sich diese dann aussuchen. Doch wie schon beschrieben, handelt es sich nur um einen kleinen Minuspunkt, denn sonst ist das Außenmodell absolut perfekt umgesetzt worden.

Das virtuelle Cockpit

Das Außenmodell der Bronco X ist fast absolute Spitze, doch wie sieht es im virtuellen Cockpit aus? Denn da kein 2D-Panel existiert muss der Flieger ja wohl oder übel aus dem VC komplett bedienbar sein. Ob das denn auch wirklich so ist? Ich werde es herausfinden. Nachdem wir uns das Außenmodell lange genug angeschaut haben, brauchen wir nun die passende Tastenkombination, also die Taste „S“, zu drücken und schon sitzen wir am Arbeitsplatz des Piloten.

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Hier sieht man auf den ersten Blick: Das virtuelle Cockpit ist definitiv sehr detailliert. Knöpfe, Schalter und Drehregler sind dreidimensional enthalten. Auch die Instrumente wurden, wie man es von einem zeitgemäßen FSX Add-On heutzutage erwartet, in 3D umgesetzt. Alles in diesem VC wurde sehr gut ausgearbeitet. Auch die Schrauben am Backup-Kompass sehen äußerst realistisch aus. Bei den bewaffneten Versionen wurde außerdem noch ein Zielvisier sowie das Armament-Panel eingebaut. Das Cockpit erweckt den Eindruck, schon etwas abgenutzt zu sein, da wurde bei der Texturierung gute Arbeit geleistet, auch wenn die Beschriftung an ein paar wenigen Stellen leider etwas zu unscharf ist. So sieht man die Schmutz-Ablagerungen an den Fensterrahmen, im virtuellen Cockpit sowie die Verfärbung an den Ruderpedalen, welche wohl auf feuchte Schuhe des Bronco-Piloten zurückzuführen sind.

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Doch nicht nur das eigentliche Cockpit wurde umgesetzt, sondern auch der Laderaum. Normalerweise fliegt man das Flugzeug zwar nicht von diesem aus, aber es mag ja virtuelle Piloten geben, die gerne mal durch ihr Flugzeug kriechen um auch die hintersten Ecken im Innenraum zu erkunden. Da die OV-10 nun nicht mehr das neuste Flugzeug ist und man auf den modernen Standard eines GPS nicht oft verzichten will, hat Aerosoft im virtuellen Cockpit eins eingebaut. Dieses ist eine Eigenentwicklung und meiner Meinung nach fast noch einen Ticken einfacher zu bedienen als die FSX Default-Versionen. Wahlweise kann man statt der Moving-Map Anzeige auch einen Kompass anzeigen lassen. Die Sicht nach außen ist im Cockpit einfach nur hervorragend: Dank der durchdachten Positionierung der Streben für die Cockpithaube entgeht dem Adlerauge des Piloten nur wenig. Doch so sollte es natürlich auch sein, denn was nützt einem ein noch so schönes Beobachtungsflugzeug, wenn man aus diesem aufgrund schlechter Außensicht nicht vernünftig beobachten kann? Dies ist natürlich dem realen Vorbild zu verdanken, aber Aerosoft hat das gut nachgeahmt. Was ich allerdings sehr schade finde, ist die Tatsache, dass bei den zweisitzigen Modellen nur das vordere Cockpit umgesetzt worden ist. Meiner Meinung nach ist es nämlich immer ein besonderer Reiz, vom Sitz des Observers und eben nicht vom vorderen aus zu fliegen.

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Nun mag ich mich kurz der Bedienbarkeit widmen. Da kein 2D-Panel existiert, ist es umso wichtiger, dass man die Bronco X voll aus dem VC steuern kann. Dies ist bei diesem Add-On ohne Probleme möglich. Zwar sind nicht alle Schalter auch „clickable“, allerdings benötigt man diese auch nicht fürs simulieren. Hierbei handelt es sich um ein paar Schalter für das Intercom und den IFF-Transponder (Ident Friend Foe – Freund Feind Erkennung. Es dient dazu, erkannte Objekte zu identifizieren und findet beim Militär Verwendung). Da letzteres sehr schwer im FSX umzusetzen ist und außerdem auch kaum einen Mehrwert für das Simmen hätte, halte ich das nicht für einen Kritikpunkt. Auch das Armament Panel ist nicht bedienbar. Natürlich ist der FSX ein ziviler Flugsimulator, doch immer mehr militärische Add-On Flugzeuge besitzen die Möglichkeit, virtuell Bomben abzuwerfen. Auch über eine Animation der Maschinengewehre hätte ich mich noch gefreut.

Systemtiefe

Die Systemtiefe ist bei Add-On Flugzeugen immer ein heikles Thema, denn hier teilen sich die Flusianer gerne mal in zwei Fraktionen auf: Systeme oder Modell. Die einen wünschen sich eine ultragenaue Simulation aller Systeme und die anderen wollen einfach nur das schöne Modell ohne viel Geklicke genießen. Also muss der Hersteller ja wohl oder übel beide Seiten befriedigen, und das hat die Firma aus Paderborn meiner Meinung nach ganz prima hinbekommen. Mit der Tastenkombination „Umschalt+2“ kann man auswählen, ob die Bronco im Cold-and-Dark oder im „Ready-to-fly“ Modus startet. Alle, die sich für Ersteres entscheiden, sollten sich nun erstmal die Checkliste sowie das Manual durchlesen, und das gründlich. Wenn man die Schritte nicht wie beschrieben ausführt, so startet die Bronco gar nicht oder mit leuchtenden Warnlämpchen, in diesem Fall sollte man den Start abbrechen, wie es im Manual beschrieben ist. Anfangs fehlt einem hier noch der Durchblick, aber wie es so mit den neuen Flugzeug-Erweiterungen ist, findet man sich relativ schnell in die Bedienelemente hinein.

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Die Condition Levers für die beiden Turboprop-Triebwerke haben insgesamt vier verschiedene Einstellmöglichkeiten: Feather and Fuel Shut-Off, Fuel Shut-Off, Normal Flight und Takeoff/Land. Man muss die Levers der Situation anpassen, denn sonst kann es z.B. zu einem Triebwerksbrand kommen. Vor allem beim Starten von kürzeren Pisten bemerkt man, dass Takeoff/Land doch einiges mehr an Power aus der Bronco herausholt. Wenn man dann sicher in der Luft ist, stellt man die Levers wieder auf Normal Flight um, das bringt immer noch mehr als genügend Power und die RPM sowie andere Indikatoren bleiben im grünen Bereich. Die Propellersteuerung ist demnach durchaus gelungen. Andere Failures wie zum Beispiel Überhitzen der Turbinen, Engine Flameouts bei nicht aktivierter Enteisung oder auch diverse Fehler beim Überschreiten der Operations-Limits kommen auf einen zu, wenn man die OV-10 mit hohen Realitätseinstellungen fliegt.

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Motorverschleiß, das gibt es auch bei der Bronco X. Insgesamt fünf Zustände haben die Turboprops, diese gehen von Exzellent über Gut, Ok, Schlecht und außer Kraft. Die TBO (Time between Overhaul) der realen OV-10 liegt bei 1600 Flugstunden. Die Designer haben das in der virtuellen Umsetzung auf 160 Flugstunden verringert, außerdem kann der Verschleißfaktor verschnellert werden. Wenn es dann wrklich so weit gekommen sein sollte, dann bringt ein Klick auf das Schraubenschlüssel-Symbol die Turbine wieder in einen hervorragenden Zustand. Ein weiteres, sehr authentisches Feature sind die Vibrationen im Cockpit und an den Instrumenten. Diese treten zum Beispiel bei der abrupten Rücknahme der Leistung oder aber auch beim „Gas geben“ auf. Wenn man nun die Torque-Anzeigen beim Hochklettern anschaut, so erscheint es mit den Vibrationen um einiges realistischer. Sehr schön umgesetzt wurde meiner Meinung nach auch das Starten der Turbine während des Fluges. Wenn man versucht, die Engines auf normale Art und Weise zu starten, antwortet die Bronco mit einem kleinen Feuerchen am entsprechenden Triebwerk. Neben dem gewöhnlichen VOR-Navigationssystem verfügt die OV-10 auch über ein TACAN, ein militärisches Flugnavigationsverfahren. Hierbei handelt es sich um ein taktisches Flugnavigationsverfahren, welches dem zivilen VOR/DME ähnelt. Leider sind die FSX-Datenbanken nicht vollständig, was dieses Verfahren angeht, allerdings kann man statt der Frequenz für ein VOR auch einfach den entsprechenden TACAN-Code eingeben. Der Kompass muss danach nur noch umgestellt werden, und dann kann man wie sonst auch in Richtung des VORs fliegen.

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Ein weiteres, ungewöhnliches Feature ist das sogenannte „Engineer Station Gauge“. Dieses wurde entwickelt, damit der Kunde ein besseres Verständnis für die Systeme der Bronco bekommt. Wenn man das Gauge beim Startup geöffnet hat, erkennt man schnell, wann sich welche Generatoren und Busses verbinden beziehungsweise wieder trennen. Meiner Meinung nach ist dies sehr praktisch und ich würde es begrüßen, wenn die virtuelle Mechaniker-Station auch in anderen Add-Ons zu finden wäre. Umgesetzt wurden außerdem noch das BECKER AR 4201, welches in der OV-10 als COMM-2 Radio dient und der Becker BXP 6401 Transponder. Beide Geräte funktionieren einwandfrei im FSX, ich denke mehr muss man dazu nicht sagen. Auf keinen Fall zu vergessen ist das Fahrwerk, welches sich erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit ausfahren lässt. Erwähnt werden sollte allerdings noch, dass die Bronco keinen Autopiloten hat. Dies entspricht der Realität. Die Benutzer, welche dennoch nicht auf einen Autopiloten verzichten wollen, können die Maschine mit den FSX-Standard Tastenkombinationen für den Autopiloten fliegen lassen. Hier muss man Aerosoft loben, denn das nenne ich Benutzerfreundlichkeit.

Die interaktive Checkliste

Wer kennt das nicht: Das Problem mit den Checklisten. Nicht immer sind diese im HTM-Format enthalten und können so im FS geöffnet werden. Folglich bleiben dann eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Den Teil des Manuals, in dem die Checklisten enthalten sind, ausdrucken oder den FS im Fenstermodus betreiben. Meiner Meinung nach ist beides nicht das Wahre, und ab einer gewissen Anzahl an Add-Ons wird’s dann auch teuer, denn Druckerpatronen kosten ja nicht immer wenig. Die ideale Lösung: Eine interaktive Checkliste als Gauge. Diese kann man durch die Tastenkombination Umschalt+2 im FSX öffnen. Nun kann man zwischen den Seiten der Liste hin und her blättern und außerdem den Zustand des Flugzeuges ändern (Cold-and-Dark, Ready-to-Taxi), aber der eigentliche Gag kommt erst noch. Wie es beim abarbeiten der Schritte so ist, vergisst man gerne mal, was man schon gemacht hat. Doch das ist nun Vergangenheit, zumindest mit der Bronco X.

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Einen Links-Klick auf den einen Schritt, welchen auch immer, und es erscheint ein farbiger Haken hinter diesem. Rot bedeutet in diesem Fall, dass der Step noch nicht ausgeführt wurde, bei Grün wurde dies schon gemacht. Trifft letzeres zu, so ertönt außerdem noch ein Satz wie zum Beispiel „Battery Master On“ oder „Condition Levers Normal Flight“. Einfach revolutionär das Ganze, auch wenn es ein bisschen dem Programm „Call!“ von Feelthere ähnelt. Und wenn man den benötigten Schalter mal nicht finden sollte, dann genügt ein Rechtsklick und der Schritt wird automatisch ausgeführt. Selten hat mir so ein Tool derart viel Freude beschert wie die interaktive Checkliste, sowas wünscht man sich zu einem Payware Add-On dazu, und das definitiv!

Die Flugdynamiken

Bekanntermaßen sind die Flugdynamiken mitunter am wichtigsten, wenn es um eine detaillierte Umsetzung eines Luftfahrzeuges geht. Ich will darauf hinweisen, dass ich im wirklichen Leben kein Pilot bin und die Flugdynamiken also lediglich nach meinen virtuellen Erfahrungen und Kenntnissen beurteilen kann.

Die geballte Power der beiden Garrett T76-G-410/412 Turboprop-Triebwerke sorgt dafür, dass sich die OV-10 mit einer Leistung von insgesamt 1066 Kilowatt durch die Lüfte schiebt. Dies merkt man auch im FSX. Die Bronco ist keineswegs zu schwach auf der Brust, ca. 250 Knoten schafft das Flugzeug. Und nicht nur schnell ist sie, sondern auch unheimlich wendig. Mit der OV-10 scheint man um beinahe jede Kurve zu kommen, und so wird enger Geländefolgeflug oder extremer Tiefflug über die Baumwipfel bei hohen Geschwindigkeiten zum Flugerlebnis schlecht hin. Wie ich in der Einleitung schon schrieb, kann die Bronco auf kürzesten Pisten starten und landen. Man fragt sich nun natürlich, wie eine Maschine, die nicht gerade langsam unterwegs ist, auf kurzen Pisten landen soll. Diese Frage ist berechtigt, denn bekannte STOL-Flugzeuge wie die Twin Otter oder auch die PC-6 sind nicht sonderlich schnell.

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Ich habe den ultimativen Short Take-Off and Landing Test mit der OV-10 gemacht, und das sind die Ergebnisse: Als erstes bin ich auf einer sehr kurzen, unbefestigten und schlecht anzufliegenen Runway von Tsuniah Creek (wenn man diese Schneise überhaupt so bezeichnen darf) gelandet. Dies ging, nachdem ich mich an die Bronco gewöhnt hatte, äußerst gut und ohne Probleme, denn dank des Umkehrschubes kommt man relativ schnell zum stehen, man darf nur nicht zu schnell anfliegen. Auch der Start von diesem Airstrip verlief problemlos. Danach habe ich mit Ai-Carriers einen Flugzeugträger auf dem Meer platziert und dann kam auch schon der Final-Approach. Auch dies funktionierte einwandfrei, ebenso der Start. Wohlgemerkt hatte ich den Wind auf 0 Knoten und auch sonst habe ich nicht getrixt. Selbstverständlich schafft man das zum Beispiel mit der Ferry-Version, welche mehrere Außentanks besitzt, nicht mehr so gut, aber diese wiegt ja auch einiges mehr. Ich schätze die Flugdynamiken als realistisch ein, denn in der Realität wurde die Bronco für den Dschungelkampf eingesetzt – hier sind STOL-Eigenschaften als auch höhere Geschwindigkeiten unabdingbar.

Sound

Eins ist klar: Ohne einen passenden Sound macht Flugsimulation nur halb so viel Spaß. Das scheint auch Aerosoft zu wissen, denn der Sound hört sich im Vergleich mit Videos gelungen und realistisch an. Außerdem haben die Entwickler noch Klick-Sounds und ein paar weitere „Specials“ hinzugefügt. Hierbei handelt es sich unter anderem um das Geräusch der knackenden Nieten bei Flugmanövern mit hoher G-Belastung, die Geräusche der Scheibenwischer und das Warnsignal für das Fahrwerk.

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Performance

„Hochgradig für bestmögliche Bildwiederholraten optimiert“, das verspricht die Produktbeschreibung. Ich will es kurz machen: Die Aussage trifft zu. Ich persönlich fliege mit der OV-10 von Aerosoft ohnehin fast nur in den Gegenden, in denen es außer Bäume nicht viel gibt, hier ist die Performance ohnehin äußerst gut und die Frames im grünen Bereich. Doch auch in dicht bebauten Gebieten, wie zum Beispiel Frankfurt mit dem Mega Airport EDDF, lief alles flüssig mit knapp 20 FPS im VC. Die Bronco sollte also für niemanden ein wirkliches Problem darstellen, denn mein Rechner ist nun wirklich nicht der stärkste.

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Fazit

Die Bronco muss man mögen. Manche finden sie hässlich, anderen hingegen gefällt sie sehr gut. Ich kann dieses Add-On allen OV-10 Liebhabern nur wärmstens empfehlen. Das Außenmodell und das virtuelle Cockpit sehen sehr gut aus. Nahezu alle Schalter sind bedienbar und außerdem verfügt die Bronco X auch über ein funktionierendes TACAN-System. Dazu kommen noch die Umsetzung vieler Systeme, die sehr schöne Propellersteuerung sowie die gut durchdachte, interaktive Checkliste. Auch die Flugdynamiken wurden nicht vernachlässigt und sind ideal für kurze Landebahnen. Wenn man von den teilweise nicht ganz so guten Texturen und dem fehlenden hinteren Cockpit absieht, birgt die Bronco X meiner Meinung nach keine weiteren Ungereimtheiten. Ambitionierte Buschpiloten und OV-10 Fans sollten sich diese Maschine unbedingt einmal anschauen, denn gerade in abgelegenen Regionen ist die OV-10 meiner Meinung nach der ideale Flieger, da er so gut wie überall starten und landen kann sowie zudem noch sehr schnell ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist außerordentlich gut, man bekommt noch ein Bisschen mehr Qualität als erwartet für sein Geld.

Zusammenfassung

Hersteller:Aerosoft
Preis:29,99 Euro
Lizenz:Payware
Erscheinungsjahr:2012
FS-Version(en):FSX
Produktseite:Aerosoft.de
ProContra
– Ordentliche Preis/Leistung
– Größtenteils sehr gute Texturen
– Verschiedene Modelle
– Interaktive Checkliste
– Systemtiefe
– Cockpit des „Bordschützen“ nicht umgesetzt
– Keine funktionsfähigen Waffensysteme

Detailbewertung

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Für 30€ bekommt man hier ein absolut lohnenswertes Produkt vielen Features.
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Alles verlief problemlos und einfach.
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Das Manual ist in Deutsch und Englisch verfasst, die Systeme werden gut erklärt und auch sonst gibt es hier nichts zu beanstanden. In der Version 1.11 herrscht außerdem eine gute Modellvielfalt.
2D-Panel und Systemewww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.com
Es ist kein 2D-Panel vorhanden. Sehr viele Systeme sind funktionsfähig, aber die Bewaffnung ist nicht funktionsfähig. Als Krönung ist die interaktive Checkliste enthalten.
Außenmodell und virtuelles Cockpitwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.com
Die Bronco hat ein äußerst gelungenes Außenmodell, über das man bis auf den angesprochenen Punkt, die Texturen, ganz und gar nicht meckern kann. Auch das VC ist sehr gelungen, aber leider gibt es kein hinteres Cockpit in den zweisitzigen Versionen.
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Das Soundpack ist nicht zuletzt dank einiger Spezialeffekte sehr gelungen.
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Glaubwürdig wirkende Flugeigenschaften mit großem Spaßfaktor beim Low-Level-Flug und beim Landen auf sehr kurzen Pisten.
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Selbst auf meiner »Schrottkiste« läuft die Bronco wie geschmiert und ruckelfrei.
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In der Gesamtwertung gibt es verdiente 9,5 von maximal 10 Sternen, eine reife Leistung.

 

Aerosoft Bronco X Tipp der Redaktion

Was bedeutet „Tipp der Redaktion!“? Produkte, die in der Detailbewertung insgesamt 9,5 oder 10 Sterne erreichen, werden automatisch zu einem Tipp der Redaktion. Diese Add-Ons gelten als „besonders wertvoll“. Wäre das nicht so, hätten sie auch nicht diese Gesamtwertung und auch nicht den Titel erhalten. Ziemlich transparent also, der Titel „Tipp der Redaktion!“

Frank Kuhn für flusinews.de

Testsystem

Computer-Art: Desktop-PC
Hersteller, Produktbezeichnung: HP, Pavillion Slimline
Betriebssystem: Windows Vista Home Premium 64 Bit, Direct X9
verwendete Flusi Version: FSX Gold

Prozessor: Core 2 Duo E7400 2x 2.80GHz
Arbeitsspeicher: 4096MB
Grafik: NVidia GeForce GT 220
Festplatte: 640GB SATA 3,0 GB/Sekunde

 

 

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Autor

Hallo, ich bin Frank und schreibe seit 2011 für flusinews.de. Damals war unsere Website ein kleines Hobbyprojekt, heute eine wichtige Stimme in der Flugsimulator-Szene – auch wenn wir immer noch in unserer Freizeit schreiben. Auf flusinews.de kümmere ich mich um alles, was irgendwie mit Inhalten zu tun hat. Am liebsten schreibe ich ausführliche Hintergrundberichte über Themen, welche die Szene bewegen.

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