Schweden – für Viele bedeutet das: unzählige Seen, riesige Wälder, Elche, rote Holzhäuser, Schärengarten und IKEA. Nun – einiges hiervon begegnet einem, wenn man sich im Anflug auf Schwedens größten Flughafen Stockholm-Arlanda befindet. Wer skandinavische Destinationen mag und nach einer Vervollkommnung seines nordischen Airport-Repertoires sucht, der wird bei Marcus Nybergs und Philip Schalls „Stockholm-Arlanda“ (über Orbx veröffentlicht) fündig werden, ganz sicher! Mehr unter Weiterlesen.

Fakten vorab

Stockholm-Arlanda ist der mit Abstand größte und wichtigste Flughafen des schwedischen Königreiches. Von hieraus starten nicht nur die Schweden in alle Himmelsrichtungen, sondern hier steigt auch die halbe Welt um in eine der zahlreichen Inlandsverbindungen – sei es in die Weiten Lapplands oder auf das schöne Gotland. In den letzten Jahren pendelten sich die Passagierzahlen um 22 Millionen ein, da braucht man natürlich schon massive Terminalanlagen, die in der Geschichte des Flughafens seit seiner Eröffnung 1960 mehrfach aus- und umgebaut wurden. Heute hat der Airport vier Terminals, von denen eins „5“ heißt, sowie drei Startbahnen zu je zweimal 2.500m und einmal 3.301m.

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Das Stockholm-Arlanda gibt es im Flightsimstore für umgerechnet ca. 22€ zum Download. Es ist kompatibel mit dem FSX sowie Prepar3D v1/2/3. Die Installation verläuft problemlos, ein hilfreicher Userguide für die Szenerieeinstellungen liegt bei. In ihm enthalten sind auch einige Karten; allerdings fehlen hier auch wichtige SIDs und STARs.

Wichtiger Hinweis: möchte man nicht auf Bäume in der Flughafennähe, einen guten Übergang von Szenerie zu Umgebung und viele andere Kleinstfehler verzichten, so sollte man vorher zwingend FTX Global installieren (was im Flighstimstore auch als Voraussetzung angegeben wird).

Die Umgebung

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Hat man seinen Simulatorglobus bereits mit FTX Global tapeziert, bettet sich die Airportszenerie extrem gut in die Umgebung ein; es ist wirklich schwer, einen Übergang zu finden, wenn man ihn denn unbedingt sucht. Fakt ist: Arlanda hat eine typisch schwedische Verortung: zwischen Seen, mitten im Wald – keine Spur davon, dass Stockholm nur etwa 25km entfernt ist. Bei den entsprechenden Szenerieeinstellungen im Simulator ist der Platz perfekt platziert, die Bäume enden wirklich erst kurz vor den Runways und das satte, sommerliche Grün des Nordens macht Lust auf Mitternachtssonne und ausgedehnte Elchsafaris.

Der Flughafen

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Der Airport selbst ist gebettet auf fotorealistischem Untergrund (der sich in seiner Unschärfe etwas von den präzisen statischen Objekten abhebt) und man findet hier überall Texturen, so wie man sie haben möchte: gestochen scharfe Runways mit gekonnten Abnutzungen, sehr überzeugendes 3D-Gras, ausgewaschener Beton auf den Taxiways, gedrehte Reifenspuren auf dem Vorfeld, hier ist nichts geschönt und geschniegelt, hier sieht es eben aus wie auf einem Flughafen!

Sehr schön umgesetzt sind auch alle richtungsweisenden Objekte auf dem Platz. Hier sticht insbesondere die preisverdächtige Anflugbefeuerung hervor: Handgearbeitete, gelbe Masten mit winzigen Stromverteilern, präzise platziert dort wo sie stehen sollen und fehlend dort, wo keine sind (und dann auch nachts nicht leuchtend) – so macht das Einschweben Spaß.

Der weitere Rundgang über Stockholm-Arlanda zeigt große Parkplätze gefüllt mit Volvos, das bekannte „Jumbo Hotel“ an der Zufahrt – eine ausgediente 747 mit 72 Betten – riesige Maintenancehallen von SAS (etwas schwammige Schrifttexturen) sowie ein ausgezeichnet gestaltetes DHL-Frachtterminal und eine große Anzahl typischer Flughafengebäude: Sie ergeben keinen direkten Nutzen, gehören aber zum Gesamtbild dazu, wenn auch an der ein oder anderen Stelle ein Gebäude, welches auf dem Fotountergrund zu erkennen ist, vergessen wurde.

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Die Terminals unterscheiden sich realistisch z.B. in der Farbgebung, nicht jedoch in der guten Umsetzung. Allenfalls die Außenfassaden sind etwas einfach gestaltet und bisweilen sehr unscharf, was zum Beispiel an der straßenseitigen Front von Terminal 5 zu sehen ist. Überhaupt ist ein bisschen auffällig, dass der Vorfeldseite des Flughafens deutlich mehr Aufmerksamkeit und Detailliebe zuteilwurde, als der öffentlichen Zufahrt. Hier gibt es dann doch ungenaue Konturen und Fahrzeuge, die deutlich neben den Fotostraßen unterwegs sind. Außerdem ist der Tower etwas zu dunkel, undurchsichtig und ohne Antennen ausgefallen – man kann eben nicht alles haben.

Auf dem Vorfeld wiederum stechen die sich bewegenden Mitarbeiter (gestaltet via PeopleFlow) hervor, gelungen in den Bewegungen und nicht zu omnipräsent. Eine angenehme Anzahl statischer Flugzeuge rundet das Bild ab, einige Maschinen werden sogar kofferwerfend von den oben genannten Mitarbeitern beladen (hier gibt’s einen satten Pluspunkt!) – allerdings fällt auf, dass bei den herumstehenden Norwegian-737 jedes Mal die gleiche (Henrik Ibsen-)Livery gewählt wurde.

Lichtmasten in rot-weißem Anstrich sind auf dem gesamten Platz gut eingebettet und entfalten ihre volle Wirkung in der Nacht, wenn sich dort ein milchiger Schein bildet und das gesamte Vorfeld in einer Art volumetrischem Lichtkegel strahlt. Überhaupt ist der Flughafen nachts sehr gelungen: die Terminals und Hotels sind nicht zu überzogen illuminiert, Taxiways und Startbahnen sind extrem präzise beleuchtet, Straßenlaternen haben kleine Lichtkegel und nicht diese unsinnigen Feuerbälle von FTX Vector.

An der jahreszeitlichen Umsetzung des Airports kann man prinzipiell nichts bemängeln, Abstufungen von Herbst und Sommer sind zu erkennen und spiegeln sich insbesondere in Gras- und Baumtexturen wider.

Möchte man unbedingt ein Manko in dieser Stockholm-Arlanda Szenerie finden, ist es vielleicht deren Winterkleid, welches in der Produktbeschreibung sogar noch hervorgehoben wird. Dafür, dass Arlanda für seine massiven Schneefälle berüchtigt – und für seine ausgezeichneten „winter time operations“ berühmt ist, ist der Platz viel zu aufgeräumt. Die Bahnen sind komplett frei und das Vorfeld allenfalls angefrostet; Schnee gibt es hier eigentlich nur als Bodentextur, das ist ein bisschen schade für eine skandinavische Szenerie. Auch fällt auf, dass der Flughafen bereits im Oktober winterlich weiß gepudert ist, während die (FTX(!)-) Umgebung noch herbstlich leuchtet.

Die Performance

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Obwohl alle großen Flughafenszenerien mittlerweile schon mit performanceschonender Technologie gebaut werden, lässt sich natürlich insbesondere bei etwas AI-Verkehr und komplexer Wetterdarstellung ein Framerateniederschlag nicht vermeiden. Das ist aber eine systemspezifische Variable, die hier nicht konkret bewertet wird. Wir haben bei zwei Testsystemen unterschiedliche Resultate erzielt – da hilft mitunter nur: Regler runterziehen.

Das Fazit

Keine Frage, diese Version von Stockholm-Arlanda ist ein Highlight und macht deutlich, dass auch Großflughäfen mit Liebe zum Detail aufwarten können. Die Entwickler haben gezeigt, worauf es bei Airport-Szenerien ankommt: Nämlich exakte Platzierung von Objekten, hochwertige Texturen, viele Objekte mit Wiedererkennungswert sowie den Fokus auf das Betriebliche. Dass nun FTX Global eine Voraussetzung für das Produkt ist, kann man bemängeln (die Debatte über den tiefgreifenden Eingriff, den Global im Simulator durchführt, ist ja bekannt), kann man aber entwicklerseitig auch verstehen, da nur mit den FTX-nativen Texturen eine so ausgereifte Gestaltung bei gleichzeitig guter Einbettung in die Umgebung möglich ist. Nichtsdestotrotz gibt es einige wenige Schnitzer, aufgrund derer es nicht für die volle Punktzahl und zu einem Hot Tipp reicht.

Entwickler:Marcus Nyberg & Philip Schall (Orbx)
Lizenz:Payware
Preis:AUD $34.95 (ca. 22€)
Erscheinungsjahr:2016
FS-Version(en):FSX, Prepar3D v1/2/3
Produktseite:FlightSimStore

Pro

  • wunderbare Texturen auf Runways & Co.
  • gekonnte Objektplatzierung
  • viele Details mit Wiedererkennungswert
  • PeopleFlow-Mitarbeiter werfen Gepäckstücke
  • sehr gutes Beleuchtungsmuster

Contra

  • einige Gebäudetexturen unscharf
  • Wintergestaltung etwas mager
  • unvollständige Charts

Auszeichnungen

– keine

Jens Leuteritz für flusinews.de

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Testsystem

Computer: Desktop-PC
Hersteller: Eigenbau
Betriebssystem: Windows 7 Home Premium, 64bit
verwendete Flusi Version: FSX, SP II
Mainboard: MSI MS-7693
Prozessor: AMD FX(tm)-6300 Six-Core Processor, 3,5 Ghz
Arbeitsspeicher: 8192MB RAM
Grafik: AMD Radeon R9 200 Series
Festplatte (OS): Adata SP900 SATA, 120GB
Festplatte (FSX): WDC WD10 EZEX-00BN5A0 SATA, 1TB

Weitere HD-Bilder

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Autor

Mein Name ist Jens Leuteritz und ich bin seit Anfang 2015 bei flusinews.de dabei. Meine Flugsimulatorlaufbahn teilt sich in zwei Abschnitte auf: Als Jugendlicher fesselten mich vor allem der FS2002 und der FS9, und nach etlichen Jahren fliegerischer Abstinenz stieg ich dann 2014 mit dem FSX und zahlreichen Add-Ons wieder voll ins „Geschäft" ein.Die Fülle an Szenerien und professionellen Fliegern, aber auch die riesige Community reizten mich, die Erfahrungen anderer Nutzer nicht nur zu konsumieren, sondern selbst mit Tests und Reviews zum Auskommen der Szene beizutragen. Um meine Brötchen zu verdienen, arbeite ich nach dem Studium mittlerweile als Fahrdienstleiter bei der DB Netz AG und gebe, wie es im Jobportal heißt, „Zügen Regieanweisungen“.Im Flightsimulator reizen mich vor allem die Landschaftsdarstellungen der nördlichen Hemisphäre, die ich immer wieder mit großen und kleinen Fliegern unter die Lupe nehme. Von hochdetaillierten Airlinern und virtuellen Airlines habe ich mich mittlerweile aufgrund der schwachen Performancestruktur des FSX distanziert und bin nun fast nur noch als GA unterwegs.

Bisher 2 Kommentare

  1. Es bliebe noch zu erwähnen, dass sich Orbx zwar gern bemüht mittels ihrer „Flow-Technologie“ zahlreiche Dinge in ihren Szenerien zu animieren, es aber bislang noch nicht geschafft hat, animierte Jetways zu implementieren. Gerade bei einem so großen und hauptsächlich auf Airliner-Verkehr ausgelegten Flughafen wie Stockholm finde ich bewegliche Jetways wesentlich interessanter als ein Männchen, was Koffer auf ein Band wirft!

  2. Stimmt, das ist völlig richtig.
    Man sollte dann auch erwähnen, dass ORBX bereits dran sind, animierte Jetway zu entwickeln (laut Forum auf einem ganz neuen Weg) und ein Update für Stockholm angekündigt ist, sobald die Entwicklung der Jetways abgeschlossen ist. Ein Zeitpunkt dafür wurde allerdings noch nicht genannt.

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