Vidan Design – ein kleines, aber feines Ein-Mann-Entwicklerstudio aus Dänemark, konnte in den letzten Jahren mit Bornholm X, Sonderborg X und den Danish Airfields eine ganze Reihe hochwertiger Szenerien liefern. Nun hat sich John Jensen, der sich hinter der Marke verbirgt, vorgenommen, ganz Dänemark photoreal für den FSX und Prepar3D aufzuarbeiten. Mit dem Norden der Halbinsel Jütland liegt uns nun der Auftakt vor und wir haben die Gelegenheit genutzt, uns ausgiebig umzusehen. Mehr dazu unter Weiterlesen…

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Fakten vorab

Die 4,4GB satte Downloadszenerie gibt es derzeit mit 25% Rabatt im studioeigenen Shop, sonst für ca. 20-25 Euro in den gängigen Onlineläden, z.B. Flightsimstore. Der Download ist in fünf Teile aufgesplittet, deren zip-Files in einen gemeinsamen Ordner extrahiert und dann mittels Installationsprogramm zusammengeleimt werden.

Abdeckung von Jutland North
Abdeckung von Jutland North

Mitgeliefert wird ein kleines Manual, in dem eindeutig darauf hingewiesen wird, dass das Produkt lediglich eine photoreale Szenerie beinhaltet und keine extra detaillierten Airports, spezifische Objekte oder Ähnliches. Allerdings wurden doch Bäume, Häuser sowie Windgeneratoren gestaltet und exakt platziert. Außerdem gibt es ein kleines Management-Tool, mit dem in Zukunft auch alle anderen Teile der Reihe angesteuert werden können. Begeben wir uns nun auf eine Rundtour am größten dänischen Fjord – dem Limfjord – von Aalborg Richtung Südwesten und dann die Nordseeküste hinauf bis zur Insel Lesø im Kattegat, um uns ein Bild von der Umsetzung zu machen.

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Die Darstellung

Zunächst einmal muss man sagen, dass John Jensen sehr hochauflösende Luftbilder verwendet hat, bei deren Anblick im Simulator sofort klar wird, dass man sich in Dänemark befindet. Man findet die typisch dänische Landstruktur, d.h. unzählige kleine verstreute Dörfer mit relativ winzigen Feldmarken ringsum, dazwischen die zahlreichen angelegten Waldplantagen aus dem 19. Jahrhundert und ab und zu eine größere Kleinstadt. Bewegt man sich auf die Küste zu, kommt man zwangsläufig irgendwann in die Dünenlandschaft mit ihrem heidemäßigen Braunton, sowie kurz „dahinter“ zu immer wieder wunderbaren und schier unendlich langen Sandstränden. Doch immer eines nach dem anderen.

Wir starten am Flughafen von Aalborg – wie gesagt, nicht gesondert ausmodelliert, sondern lediglich etwas in die Umgebung eingepasst – und überfliegen die nördlichste Großstadt Dänemarks mit den umfangreichen Hafenanlagen. Dann geht es den langen Auslauf des Limfjordes entlang durch eine seichte Binnenwasserlandschaft, die wir hierzulande wohl am ehesten von den Boddenküsten der Ostsee her kennen. Hier überzeugt klar die korrekte Umsetzung jedes noch so kleinen Eilandes und jeder einzelnen Sandbank – nichts wurde vergessen: wo ein Hafen ist, ist auch eine kleine Mole und wo ein Abwasserkanal das Rapsfeld entwässert, ist er auch platziert – das ist Photoszenerie, hier kann man wirklich mit Kompass und Karte auf Entdeckungstour gehen und so die Schönheit Dänemarks entdecken.

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Weiter am Limfjord entlang geht es über die Mündung bei Thyborøn, an der man dann die Grenze der Szenerie zur Umgebung und so leider auch einen sehr harten Bruch in der Darstellung erreicht. Während der FTX-Europe-Sommer in hellem grün-gelb strahlt, sieht es bei der Phototapete eher hellgrün bis grau aus – eine so harte Kante war allerdings absehbar und sollte mit der Erweiterung der anderen Teile der Reihe Real Denmark X dann auch verschwinden. Nun geht es die blanke Nordseeküste hinauf, vorbei am Surferparadies Klitmøller durch unendliche (flache) Dünen und den typischen Nadelwäldern im Hinterland. Die Hafenstadt Hanstholm lassen wir hinter uns und fliegen die Jammerbucht am Skagerak hinauf, wo insbesondere die liebevolle Gestaltung der küstennahmen Gewässer auffällt, welche in seichtem grün-blau schimmern. Zeigt man einem simulatorunkundigen Bekannten die Bilder, die hier gemacht wurden, erntet man nicht selten ungläubiges Staunen angesichts der Tatsache, dass dies Bild allenfalls aus einem virtuellen Flugzeug entstanden ist. Hut ab und Daumen hoch für so eine schöne, wie gleichfalls präzise Darstellung!

Der weitere Weg führt uns an hohen Dünen und schließlich der Stadt Hirtshals vorbei und von dort in eine der geologisch interessantesten Regionen Dänemarks, den Wanderdünen bei Skagen. Hier fließen Nord- und Ostsee zusammen und formen mit Sandabtragung und Anlagerung ein zugleich wachsendes und wieder schrumpfendes Naturspektakel. Gut aus dem Flugzeug zu erkennen sind die über Jahrtausende gewachsenen früheren Küstenlinien, die Dänemark sich noch immer Richtung Norwegen ausdehnen lassen. Und wer einmal in Skagen am Strand gestanden und gesehen hat, wie Wellen sowohl von Ost als auch von West aufeinanderprallen können, dem wird klar, wie es aussieht, wenn zwei Meere miteinander verschmelzen. Dies ist zwar im Simulator nicht dargestellt, die Ehrfurcht beim Wiederanblick in dieser Szenerie jedoch bleibt – auch dafür ein großer Dank an John Jensen. Nach der Umrundung Skagens schließt sich der Kreis der Rundtour langsam mit einem Abstecher an die Insel Læsø, die ebenso konsequent gestaltet ist, wie der Rest der Szenerie. Sandige und wunderbar farblich leuchtende Flachwassergebiete mit komplizierten Fahrrinnen für Segelboote machen die Umrundung der Insel zu einem Erlebnis.

Bleibt nun noch, sich mit der Texturierung an sich zu befassen. In der Produktbeschreibung wird darauf hingewiesen, dass man zwei verschiedene Bodenausführungen geliefert bekommt: eine für den frühen Sommer, die insgesamt blass bis hellgrün daher kommt und eine für den Winter, die konsequent weiß ist aber doch nur eine leichte Schneedecke erahnen lässt. Das ist gut so und bringt die ländlichen Konturen des Untergrundes immer noch vollends zur Geltung. Im Sommer allerdings leuchten einige Abschnitte, bei denen Sand dargestellt wird, extrem hell und beinahe schneeweiß, was etwas blendend und leicht überzogen wirkt. Nichtsdestotrotz entsprechen die Bodentexturen insgesamt und im Vergleich mit verschiedenen Luftbildern der Realität und sorgen so für das typische Photoszenerieerlebnis. In der Nacht ist es im Norden Dänemarks dunkel, da keine spezifischen Lichtquellen am Boden modelliert wurden. Hier wird auf externe Add-Ons weiterverwiesen.

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Ganz klar muss festgestellt werden, dass die Texturauflösung in einer Photoszenerie dem System mehr abfordert, als andere Untergrunddarstellungen. Und während man z.B. im FTX-Norwegen bei sehr hohen Einstellungen im Prepar3D ruckelfrei unterwegs ist, müssen bei Real Denmark X die Stellschrauben deutlich nach unten korrigiert werden, um insbesondere die unerträglichen Mikroruckler auszutarieren. Dies ändert aber nur sehr wenig bis gar nichts an der Schönheit der Darstellung und wem fallen schon ein paar Bäume weniger auf?

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Fazit

John Jensen hat mit viel Mühe und konsequenter Umsetzung eine schöne Ausflugsregion für VFR-Piloten erschaffen, bei der man mühelos auf Sicht navigieren und sich an den Naturwundern von Nord- und Ostseeküste erfreuen kann. Es macht Freude, in der Inselwelt des Limfjords herumzustreunen und von sommerlichen Lagerfeuern an den endlosen Sandstränden bei Klitmøller zu träumen. Die Stärken dieser Szenerie liegen nicht unbedingt in der korrekten Platzierung von 3D-Gebäuden auf der Phototapete, sondern vielmehr in der bedingungslosen Umsetzung all jener natürlicher, landschaftlicher Highlights, für die man als Hobbyflieger immer wieder ins Cockpit steigt.
Tak John, for en lyst at flyve her!

Entwickler:Vidan Design
Lizenz:Payware
Preis:18,76€
Erscheinungsjahr:2016
FS-Version(en):FSX, FSX:SE, Prepar3D v3
Produktseite:Vidan Design Shop

Pro

  • korrekte, kleinteilige Parzellierung der Landschaft
  • Farbgebung präzise und ausgezeichnet getroffen
  • herausragende Texturen im Wasser/Flachwasserbereich
  • super Preis/Leistung für Fans und Sammler

Contra

  • bei sehr hohen Einstellungen performancelastig
  • harter Übergang zur Standardszenerie

Auszeichnungen

– keine

Jens Leuteritz für flusinews.de

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Testsystem

Computer: Desktop-PC
Hersteller: Eigenbau
Betriebssystem: Windows 7 Home Premium, 64bit
verwendete Flusi Version: Prepar3D v3
Mainboard: MSI MS-7693
Prozessor: AMD FX(tm)-6300 Six-Core Processor, 3,5 Ghz
Arbeitsspeicher: 8192MB RAM
Grafik: AMD Radeon R9 200 Series
Festplatte (OS): Adata SP900 SATA, 120GB
Festplatte (FSX): WDC WD10 EZEX-00BN5A0 SATA, 1TB

Weitere HD-Bilder

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Autor

Mein Name ist Jens Leuteritz und ich bin seit Anfang 2015 bei flusinews.de dabei. Meine Flugsimulatorlaufbahn teilt sich in zwei Abschnitte auf: Als Jugendlicher fesselten mich vor allem der FS2002 und der FS9, und nach etlichen Jahren fliegerischer Abstinenz stieg ich dann 2014 mit dem FSX und zahlreichen Add-Ons wieder voll ins „Geschäft" ein.Die Fülle an Szenerien und professionellen Fliegern, aber auch die riesige Community reizten mich, die Erfahrungen anderer Nutzer nicht nur zu konsumieren, sondern selbst mit Tests und Reviews zum Auskommen der Szene beizutragen. Um meine Brötchen zu verdienen, arbeite ich nach dem Studium mittlerweile als Fahrdienstleiter bei der DB Netz AG und gebe, wie es im Jobportal heißt, „Zügen Regieanweisungen“.Im Flightsimulator reizen mich vor allem die Landschaftsdarstellungen der nördlichen Hemisphäre, die ich immer wieder mit großen und kleinen Fliegern unter die Lupe nehme. Von hochdetaillierten Airlinern und virtuellen Airlines habe ich mich mittlerweile aufgrund der schwachen Performancestruktur des FSX distanziert und bin nun fast nur noch als GA unterwegs.

Bisher 4 Kommentare

  1. Die Fototapete ist während des Sommers sicher eine gute Navigationshilfe und sieht auch gut aus. Das spärliche Autogen wirkt sich aber im Winter sehr schlecht aus und macht eine Sichtnavigation fast unmöglich, da man dann nur noch über eine fast einheitlich weiße Fläche fliegt. Darum habe ich das Teil wieder von der Platte verbannt.

  2. Danke Manfred. Habe mal beim Entwickler angefragt, wie es mit der Autogenverwirklichung in den næchsten Ausgaben aussieht. Mal sehen. Aber wegen eines schlechten Autogens (im Winter) muss man das doch nicht gleich von der Platte fegen, oder? 🙂

  3. Hallo Jens, wie gesagt, im Frühjahr, Sommer und Herbst ist die fototapete sicher nicht schlecht und ich werde sie mir auch wieder draufspielen. Im winter dann wird sie deaktiviert und ich richte mich dann nach der ORBX-Szenerie, die dann wesentlich lebhafter aussieht und nach der sich dann auch besser navigieren lässt.

    • Hallo Manfred, John von Vidan Design hat mir gerade bestätigt, dass er in den kommenden Ausgaben der Reihe versuchen möchte, mehr und besseres Autogen zu platzieren 😉 also schaun wir mal wie der nächste Teil Dänemarks ausgestattet ist.
      Gruß, Jens

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