Mit der Saab AJS-37 Viggen (“Donnerschlag”) veröffentlichte das Team rund um Heatblur Simulations Ende Januar einen überschallschnellen Doppeldelta-Angriffsjet der schwedischen Luftwaffe aus der späteren Ära des Kalten Krieges für den Digital Combat Simulator (DCS). Wir haben uns den Überraschungsrelease im flusinews.de Add-On Check einmal näher angeschaut und finden hier ein wundervoll nachgebildetes Militärflugzeug für alle virtuellen Piloten vor, die gerne knapp unter Schallgeschwindigkeit über den Baumwipfeln entlangbrettern. Warum die Viggen den flusinews.de Hot Tipp auf jeden Fall verdient hat: Jetzt im vollen Testbericht!

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Das Original – Saab Viggen

Die schwedische Saab AJS-37 Viggen wurde Anfang der 1960er Jahre entwickelt und feierte ihren Erstflug im Jahr 1971. Im Kriegsfall sollte die Maschine sowjetische Truppen noch möglichst vor der schwedischen Grenze aufhalten, sodass sie als Jagdbomber mit Anti-Schiffs-Kapazität konstruiert wurde. Um auch auf kurzen Pisten starten und landen zu können, besitzt die Viggen einen Umkehrschub, weiterhin statteten die Konstrukteuer sie mit einigen für die damalige Zeit bahnbrechenden Funktionen aus. Im Jahr 2005 wurden die letzten Viggen ausgemustert.

Kauf, Download und Installation

Die Viggen befindet sich derzeit noch in der Early-Access Phase, ist also nicht fertiggestellt. Wen das nicht abschreckt, der kann das DCS-Modul für $59,99 US-Dollar derzeit ausschließlich über den Eagle Dynamics Shop oder den Heatblur-Store kaufen. Eine Steam-Veröffentlichung steht noch aus, das dürfte sich aber nach Fertigstellung des Moduls ändern. Nach dem Kauf wird die Seriennummer in dem eigenen Eagle Dynamics Account hinzugefügt und nach der Installation des kostenlosen Basisprogrammes DCS World 1.5 (sollte es nicht schon längst installiert sein) kann die AJS-37 über den Modulmanager heruntergeladen und installiert werden. Das ist kinderleicht, danach fällt nur noch eine Aktivierung über die Kopierschutzsoftware statt – schon geht’s ab ins Cockpit.

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Anfangs wurde die AJS-37 Viggen noch unter der Marke „Leatherneck Simulations“ verkauft. Dieses Unternehmen hat sich jedoch aufgespaltet. Während sich Magnitude 3 LLC die Rechte an der MiG-21bis und dem Namen Leatherneck Simulations gesichert hat, liegen die Rechte der AJS-37 Viggen sowie der kommende F-14B Tomcat bei Heatblur Simulations, einem Team rund um Nick Dackard.

Damit man beim ersten Mal nicht ganz planlos in der Maschine sitzt, gibt es mehrere interaktive Tutorials, z.B. für den Startup, das Taxiing und die Bedienung der Waffensysteme. Darüber hinaus existiert ein 400 Seiten starkes PDF-Manual. Weiterhin können wir noch diese Youtube-Tutorials und diesen Guide für den Einstieg empfehlen.

Das Cockpit

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Im Inneren wie im Äußeren ist die AJS-37 Viggen absolut makellos modelliert und überzeugt mit messerscharfen Texturen. Alle Cockpitbeschriftungen sind in Schwedisch gehalten, allerdings helfen die englischsprachigen Tool-Tipps beim Verständnis. Oft geht es aber auch ohne, denn manche schwedischen Wörter sind der deutschen oder englischen Sprache doch recht ähnlich. Sichtbare Abnutzungen sowie Schmutz sorgen für ein authentisches Bild im Inneren, außerdem gibt es einige nette Lichteffekte: So taucht der Radarbildschirm – sofern aktiv – das Cockpit in ein leicht grünliches Licht. Und vor Beginn der Startup-Procedures kann das Data-Cardridge in den passenden Eingang gesteckt werden – wirklich toll!

Das Außenmodell

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Außen setzt sich das schlüssige Bild des schwedischen Jets fort. Erstklassigen Metallreflexionen sorgen für das richtige „Material-Feeling“, flüssige und detailgetreue Animationen von Fahrwerk, Klappen, dem Reverser, den Steuerflächen und natürlich das Schadensmodell tun ihr übriges. Wirklich fantastisch ist auch bei diesem Heatblur Produkt mal wieder der dreistufige Nachbrenner gelungen. Verschiedene Beladungsoptionen können über den Mission-Editor oder an der Rampe über die Bodencrew ausgewählt werden und hängen dann ebenfalls in hohem Detailgrad an den Außenlaststationen. Überhaupt wird das Erscheinungsbild der Viggen sehr schön in den Simulator übertragen, beim Takeoff mit voller Beladung wirkt der doppelte Deltaflügler geradezu erhaben.

Die Systemtiefe

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Radarsignatur: Drei Schiffe sind klar zu erkennen

Auf Ebene der Systeme ist Heatblur tatsächlich ein richtiger Durchbruch in der DCS-Welt gelungen. Als erstes Fluggerät im Digital Combat Simulator überhaupt besitzt die AJS-37 Viggen ein funktionsfähiges Air-to-Ground-Radar. Das PS-37/A scannt den Untergrund vor der Maschine und zeichnet dann ein detailliertes Geländebild auf dem Display. Das hilft nicht nur bei der Navigation, sondern ist besonders für die Zielsuche wichtig. Als überschallschneller Angriffsjet ist die AJS-37 in erster Linie zur Bekämpfung von See- und Bodenzielen gedacht, da dies die typischen Bedrohungen für Schweden im Kalten Krieg waren. Das Radar erkennt größere Konvois im Gelände sowie Schiffe auf See und zeigt die Ziele als schwarzen Punkt auf dem Display an. Je nach Größe oder Anflugwinkel erscheint die Markierung größer oder kleiner – werden Schiffe frontal angeflogen, ist die Radarsignatur sehr gering, währenddessen ein Anflug von der Seite eine größere Signatur bieten – deshalb werden Schiffsangriffe auch stets aus dieser Richtung geflogen. Schon allein die Berücksichtigung der Signatur zeigt, dass es sich hier tatsächlich um eine richtige Simulation des Radars handelt und nicht nur um eine simple Anzeige von Zielen.

Das Herzstück der Viggen ist aber eigentlich der CK-37 Computer, welcher umfangreich programmiert werden kann. Nicht nur Wegpunkte oder Ziele können durch Koordinaten bzw. Zahlencodes eingegeben werden, auch die Waffeneinstellungen und die Navigation erfolgen über den CK-37. Was zu Beginn und im Vergleich zu modernen Luftfahrzeugen noch recht kompliziert und umständlich wirkt, fällt schon sehr schnell sehr leicht, denn kennt man die Codes, dann beherrscht man den Computer und kann die vielseitigen Möglichkeiten nutzen.

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Herzstück der Viggen: der CK-37 Computer

Überhaupt fällt auf, dass die Viggen für ihr Alter einige beeindruckende Fähigkeiten hat und die schwedischen Konstrukteure die Systeme gut durchdacht haben. Zwar nutzt die AJS-37 ein doch recht ungenaues Trägheitsnavigationssystem (Inertial Navigation System, INS) statt eines modernen GPS, aber dank der TERNAV-Funktion kann der INS-übliche „Drift“ der Sensoren behoben werden. So gleicht der Radarhöhenmesser das aktuelle Höhenprofil mit einer internen Datenbank ab und kann das INS automatisch wieder auf Kurs bringen. Alternativ kann die Position korrigiert werden, indem man Wegpunkte an markante Geländestrukturen (z.B. eine Flussinsel) setzt und dann auf dem Radarbildschirm den Punkt neu festlegt.

Das Head-Up-Display (HUD) zeigt wenige Daten an, stattdessen nutzt es Symbole, um beispielsweise die aktuelle Höhe oder Daten zur Zielentfernung anzuzeigen. Der Autopilot ist zwar ganz militär-üblich rudimentär gestaltet, besitzt aber ebenfalls einige nette Gimmicks. Werden Höhe und Kurs gehalten, reicht ein kurzes Antippen des Trim-Hats auf dem Joystick und es wird ein Turn nach Links oder Rechts eingeleitet, was den Piloten in komplexen Situationen sehr entlasten kann. Bei der Landung hilft das AFK-System (automatisk fart control), die Landegeschwindigkeit von 250 km/h zu halten.

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Gewöhnungsbedürftig ist allerdings der Höhenmesser, denn er nutzt QFE (gemessener Druck am Boden, Field Elevation) statt QNH (Druck auf Meeresspiegelhöhe). Das sorgt besonders in gebirgigen Regionen durchaus für Verwirrung, wenn man vorher im Tal gestartet ist – dann sollte nämlich der QFE-Wert des Zielflugplatzes eingegeben werden. Der Höhenmesser zeigt, wenn der QFE korrekt eingestellt ist, immer 0 auf Flugplatzhöhe an. Auch für den Waffeneinsatz sollte möglichst der richtige Weg für den entsprechenden Wegpunkt angezeigt werden – den findet man zum Glück im Kneeboard.

Doch nicht weniger umfangreich als die Flugzeugsysteme sind die mitführbaren Waffensysteme der Viggen. Diese reichen von einfachen Bomben und Raketen über gelenkte Maverick Boden-Luft-Raketen mit Fire-and-Forget-Logik, Sidewinder zur Selbstverteidigung gegen feindliche Luftfahrzeuge, der optisch gelenkten RB05 sowie dem INS-gelenkten BK90 Submunitionsbehälter bis hin zu schweren Anti-Schiffs-Raketen. Besonders letztere sind hervorzuheben, da die AJS-37 das erste DCS-Flugzeug mit richtiger Anti-Ship-Kapazität ist.

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Während die RB-04E mit 24km eine recht geringe Reichweite hat, ist die RB-15F voll programmierbar und kann ganze 70km vom Ziel entfernt abgefeuert werden. Das hat ganz neue Möglichkeiten bei der Missionsplanung zu Folge, denn die insgesamt vier BX-Wegpunkte (BX6-9) der RB-15F können während des Fluges oder vorher im Missionseditor gesetzt werden. Sie erlauben Angriffe auf feindliche Schiffe aus der Geländedeckung heraus und starten, sobald das Zielgebiet erreicht wurde, automatisch die Suche nach gegnerischen Seefahrzeugen. Zwar funktionieren noch nicht alle Suchmodi einwandfrei, dies dürfte nach Abschluss der Early-Access-Phase aber behoben worden sein.

Die Flugdynamiken

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Auch die Flugdynamiken sind vollends gelungen und geben das Gefühl des Fliegens exzellent wieder. Die Viggen benötigt allerdings viele Korrekturen über die Trimmung und ist bei Start und Landung nicht immer ganz einfach zu handhaben, da sie da recht zickig reagiert. Im Tiefflug fühlt sich der Jet am wohlsten und lässt sich dann auch, sofern gut ausgetrimmt wunderbar steuern.

Beim Abfeuern von schweren Waffen kippt der Jet leicht in die entgegengesetzte Richtung, da sich der Schwerpunkt verschiebt und bei engen Flugmanövern kann es zu einem Flameout des Triebwerkes kommen, sodass dieses dann neu gestartet werden muss. Überraschend ist, dass die AJS-37 einen Reverser besitzt, das ist bei Kampfjets ein echtes Novum, wurde in Schweden aber gefordert, um auch auf kurzen Bahnen landen zu können. Dieses Feature sorgt für ordentlich Spaß auf dem Flugplatz, so kann man z.B. rückwärtsfahren oder nach der Landung am Bahnende rückwärts drehen und dann wieder starten – sehr cool!

Der Sound

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Beim Sound hat Heatblur Simulations ebenfalls ordentliche Kaliber ausgepackt. Das 3D-Soundset klingt unfassbar gut. Schließt man die Cockpithaube, so reduziert sich die Laustärke des Triebwerks. Klicksounds und Warntöne sind ebenfalls enthalten und geben ein rundes Bild ab.

Die Performance

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Die Performance ist – ebenfalls DCS-typisch – sehr gut, die per VSYNC geforderten 60FPS werden fast permanent eingehalten. Allerdings kommt es beim Einsatz der BK90 Dispenser zu einem akuten FPS-Einbruch, was aber dem entsprechenden Modell von Eagle Dynamics geschuldet ist.

Das Fazit

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Mit der Saab AJS-37 Viggen liefert Heatblur Simulations eine bahnbrechende Neuerscheinung für den Digital Combat Simulator ab. Der schwedische Jet kommt in hoher Qualität daher und bringt mit einem funktionsfähigen Air-to-Ground-Radar und Anti-Schiffsflugkörpern außerdem neue Aufgabengebiete und Möglichkeiten in den Sim. Einige Fehler und Ungereimtheiten gibt es noch, aber trotzdem erscheint der Hot Tipp hier mehr als angemessen. Trotz ihres Alters kann sich die Viggen auch gegen moderne Gegner beweisen und macht nach der Einarbeitungsphase sehr viel Spaß.

Entwickler:Heatblur Simulations
Lizenz:Payware
Getestete Version:DCS 1.5.6.3690 Update 1
Preis:$59,99 US-Dollar (ca. 55€)
Erscheinungsjahr:2017
FS-Version(en):Digital Combat Simulator 1.5 und 2.0
Produktseite:Heatblur Store / Eagle Dynamics E-Shop

Pro

  • wunderbares Modell
  • exzellente Systemtiefe
  • neue Aufgabenbereiche in DCS möglich (Anti-Ship)
  • überzeugende Flugdynamiken
  • toller Sound

Contra

  • noch in der Early-Access-Phase

Detaillierte Bewertung
  • 9/10
    Preis-Leistungs-Verhältnis - 9/10
  • 10/10
    Kauf, Download und Installation - 10/10
  • 10/10
    Produktumfang, Manual und Checklisten - 10/10
  • 10/10
    Außenmodell - 10/10
  • 10/10
    Cockpit - 10/10
  • 9/10
    Systemtiefe - 9/10
  • 10/10
    Flugdynamiken - 10/10
  • 8/10
    Performance - 8/10
9.5/10

Kurzfassung

Die Heatblur AJS-37 Viggen ist ein mit viel Liebe nachgebildeter Kampfjet aus Schweden, der im Simulator trotz der Early-Access-Phase voll und ganz zu überzeugen weiß. Durch die neuen Aufgabengebiete und einige tolle Features sind hier viele interessante Flugstunden vorprogrammiert. Wer lieber auf kleine Fehler verzichtet, sollte jedoch bis zur Veröffentlichung der fertigen Version warten.

Sending
Leserbewertung:
9.2/10 (5 Bewertungen)

Auszeichnungen

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Frank Kuhn für flusinews.de

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Testsystem

Computer-Art: Desktop-PC
Hersteller, Produktbezeichnung: Eigenbau
Betriebssystem: Windows 10 Home, 64bit
verwendete Flusi Version: DCS 1.5 Stable

Mainboard: ASRock Z170 Gaming K4
Prozessor: Intel Core i7-6700k @4×4,2GHZ
Arbeitsspeicher: 16GB DDR-4 (2x 8GB)
Grafik: NVIDIA GeForce GTX 1060 6GB
Festplatte (OS): Intenso SSD Sata III
Festplatte (P3D): Crucial_CT500MX200SSD1

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Autor

Hallo, ich bin Frank und schreibe seit 2011 für flusinews.de. Damals war unsere Website ein kleines Hobbyprojekt, heute eine wichtige Stimme in der Flugsimulator-Szene – auch wenn wir immer noch in unserer Freizeit schreiben. Auf flusinews.de kümmere ich mich um alles, was irgendwie mit Inhalten zu tun hat. Am liebsten schreibe ich ausführliche Hintergrundberichte über Themen, welche die Szene bewegen.

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