Wer schon einmal im kanadischen Vancouver unterwegs war, kommt um die Wasserflugzeuge der Harbour Air eigentlich nicht herum. Beinahe im Minutentakt starten und landen die mit Schwimmern ausgerüsteten Maschinen im Hafen direkt neben den Hochhäusern. Das häufigste Modell in der Flotte der Harbour Air ist die deHavilland Canada DHC-3T Turbo Otter – 23 Exemplare nennt die Airline ihr Eigen.

Im Juli 2018 hat das bekannte Entwicklerteam Military Visualizations (Milviz) die Turbo Otter für den FSX und Prepar3D veröffentlicht (Wir berichteten). Im Test erklären wir euch, warum kein Buschpilot an diesem Add-On vorbei kommt.

Fakten vorab

Milviz DHC-3T Turbo Otter Review Bild 05

Die DHC-3T Turbo Otter ist bei zahlreichen Flugsimulator-Shops erhältlich, aber auch direkt bei Milviz. Im Store der Entwickler kostet die Maschine 39,99 US-Dollar, das entspricht rund 35 Euro. Wer bereits die DHC-3 Otter von Milviz besitzt, bekommt zudem $10 Rabatt auf die Turboprop-Version. Kompatibel ist die DHC-3T mit dem FSX, der FSX:SE sowie Prepar3D (v3/v4).

Download und Installation verlaufen problemlos. Sehr angenehm in Zeiten von immer aufwendigeren Kopierschutzmaßnahmen: Der mitgelieferte Installer benötigt weder eine Seriennummer noch eine andere Art der Lizenz-Aktivierung. Wie bereits bei anderen Produkten liefert Milviz auch hier das hauseigene Add-On Management System (MVAMS) mit. Dieses kleine Programm erlaubt es dem Benutzer, Startsituation, Avionik sowie Beladung und ein paar weitere Extras einzustellen.

Milviz DHC-3T Turbo Otter Review Bild 53

Geradezu vorbildlich ist hier die breite Auswahl an verschiedensten Avionik-Konfigurationen. Die DHC-3T Turbo Otter unterstützt nicht nur das beliebte GTN750 von Flight1 (Review lesen), sondern auch die Systeme von NavStax. Die Dokumentation besteht aus einem englischsprachigen Manual, das insgesamt 38 Seiten umfasst und auch mit allen relevanten Checklisten daherkommt. Zusätzlich erklärt ein 31 Seiten langes Handbuch die Funktionsweise des Autopiloten.

Das Flugzeug: DHC-3T Turbo Otter

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Die DHC-3T von Milviz beinhaltet nicht nur das Basismodell mit klassischem Radfahrwerk, sondern auch Versionen mit Skiern, Schwimmern und eine Amphibien-Konfiguration (Schwimmer mit Einziehfahrwerk). Leider fehlt eine Variante mit dicker Tundra-Bereifung. Eine Ausführung der Turbo Otter mit größeren, eckigen Kabinenfenstern hätte ebenfalls dabei sein dürfen, schließlich ist diese Version insbesondere in Nordamerika recht verbreitet. Das lässt sich allerdings verkraften.

Alle Modellvarianten der Turboprop-Maschine zeugen von einem tadellosen 3D-Modell und sehen wirklich erstklassig aus. Die Proportionen der DHC-3T mit ihrer langen, spitzen Schnauze und dem verlängerten Rumpf sind gut getroffen, auch an entsprechenden Details fehlt es nicht. Egal ob Türscharniere, Trittstufen, Steuergestänge, Tankstutzen oder die Paddel an der Innenseite der Schwimmer – alles ist am rechten Platz. Über die Prepar3D-Menüleiste lassen sich zudem Pitot-Cover sowie eine Kabinenabdeckung zum Kälteschutz einblenden. Animationstechnisch ist der virtuelle Pilot gut bedient, Skier und Wasserruder können durch den passenden Hebel im Cockpit heruntergelassen werden. Angesichts des sonst sehr guten Modells passt es nur nicht ganz ins Bild, dass die Animation des Propellers alles andere als ein optischer Hingucker ist.

Bei den Texturen fährt Milviz dafür wieder alle Geschütze auf: Angenehme Schärfe und einige dunkle Verfärbungen sorgen für ein realistisches Bild. Ganz großes Kino sind übrigens die glänzenden, metallischen Schwimmer – die Nieten in Kombination mit dem Schmutz wirken absolut authentisch. Gerade einmal vier Bemalungen sind allerdings ein wenig dünn, hier hätten die Entwickler gerne noch ein paar mehr Farbkleider mitliefern können.

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Im Cockpit der DHC-3T Turbo Otter kommt sofort nach Betreten richtiges Buschflugzeug-Flair auf. Die Texturen sind exzellent – das Instrumentenbrett ist mit Kratzern übersät, überall blättert der Lack ab und auch die Frontscheibe könnte mal wieder eine Reinigung vertragen. Alle Instrumente, Schalter, Knöpfe und sogar Schrauben haben die Entwickler dreidimensional modelliert. Bei Regen sorgt Trueglass für dynamische Tropfen auf der Schreibe, wobei die diese teilweise ein wenig unscharf sind. Das macht allerdings nichts, der Effekt sieht trotzdem ansprechend aus. Besonders schön ist die dimmbare Instrumentenbrettbeleuchtung, weil sie sehr dezent und nicht zu hell ist. Das Kabinenlicht beleuchtet nur die Ecken im Cockpit, welche auch tatsächlich angestrahlt werden – RealLight sei Dank.

Die Passagierkabine der DHC-3T Turbo Otter hat Milviz nicht umgesetzt. Das ist heutzutage zwar unüblich, dürfte der Ablaufgeschwindigkeit des Add-Ons allerdings durchaus dienlich sein.

Systeme und Flugdynamiken

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Anstatt auf Standard-Funktionen zu setzen, hat Milviz für die Turbo Otter eine eigene Systemlogik programmiert – das fällt bereits beim Anlassen auf. Hier fährt die Turbine nämlich langsam hoch, wie in der Realität. Bei vielen anderen Turboprop-Flugzeugen für Prepar3D ist dieser realistische Startup nicht implementiert, weil die Entwickler auf Standard-Funktionen zurückgreifen – in diesen Fällen läuft die Turbine dann so schnell an wie ein Kolbenmotor. Warnleuchten und Instrumentenbrettbeleuchtung werden beim Betätigen des Starters dunkler, weil die Stromspannung des Bordnetzes durch den Anlauf des Anlassers stark einbricht.

Weiterhin hat die PT6-34-Turbine ein Schadensmodell erhalten. Beim Startup und während des Fluges müssen die Limits also streng eingehalten werden, sonst versagt der Antrieb ganz schnell seinen Dienst. Die Circuit-Breaker sind funktionsfähig, die Spornrad-Lenkung mit drei verschiedenen Modi (freilaufend, verriegelt und Lenksystem eingeschaltet) ist ebenso simuliert wie die Friction-Control für Schub-, Propeller- und Condition-Lever. Auf der Avionik-Seite liefert Milviz nicht nur das in Kooperation mit REX Simulations entwickelte WX Advantage Radar mit, sondern auch einen eigens programmierten Autopiloten vom Typ KAP 140. Insgesamt also doch deutlich mehr als bei GA-Maschinen üblich.

Die Flugdynamiken der DHC-3T Turbo Otter sind exakt so, wie man sich das von einem STOL-Flugzeug (Short Takeoff and Landing) vorstellt. Der Turboprop-Antrieb sorgt beim Start für ordentlich Power, sodass nur ein Bruchteil der Runway benötigt wird. Nach der Landung gewährleistet der Umkehrschub, dass die DHC-3T blitzschnell steht. Fliegerisch stellt die Turbo Otter eigentlich keine besonderen Herausforderungen an den virtuellen Piloten. Obwohl sie ein Spornrad-Flugzeug ist, gelingen Start und Landung meistens ohne Probleme. Beim Takeoff sollte aber dringend darauf geachtet werden, dass die Trimmung korrekt eingestellt ist. Wenn nicht, verhält sich die Maschine nämlich ein wenig widerspenstig, was schnell unangenehm werden kann – dies erscheint realistisch.

Sound und Performance

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Beim Sound wollte sich Milviz ebenfalls nicht auf die Standard-Funktionen verlassen und hat deshalb ein eigenes Modul programmiert. Die Lautstärke der Triebwerks- und Cockpitgeräusche kann entweder mit dem Flugsimulator synchronisiert oder separat über das MVAMS eingestellt werden. Im Endergebnis erreicht das Software-Unternehmen damit eine äußerst immersive Sound-Umgebung. Besonders die Geräusche beim Hochfahren der Turbine klingen sehr authentisch, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Die passenden Klicksounds tragen ebenfalls zu einer realistischen Atmosphäre bei.

Bei der Performance gibt sich die DHC-3T Turbo Otter relativ gutmütig, auch wenn sie aufgrund der guten Optik und Systemtiefe nicht mit Standard-Flugzeugen mithalten kann. Im Test traten allerdings zu keinem Zeitpunkt Performance-Probleme auf, auch nicht bei komplexen Wetterlagen.

Das Fazit

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Mit der DHC-3T Turbo Otter liefert Milviz eines der besten Buschflugzeuge ab, die es derzeit zu kaufen gibt. Nicht nur das hochdetaillierte Modell und die erstklassigen Texturen sprechen für das Add-On, sondern auch die erweiterte Systemtiefe im Vergleich zu vielen anderen Turboprop-Maschinen für Prepar3D. Die Entwickler haben wirklich viel Wert auf Details gelegt, was sich während des Fluges bemerkbar macht und für eine ordentliche Portion Spaß in der Luft sorgt. Die angesprochenen Kritikpunkte wie die unschöne Animation des Propellers sind vor diesem Hintergrund absolut vernachlässigbar und schränken die Funktionen der DHC-3T auch in keiner Weise ein.

Entwickler: Military Visualizations (Milviz)
Lizenz: Payware
Getestete Version: 1.1
Preis US$ 39,99
Erscheinungsjahr: 2018
FS-Version(en): FSX, FSX:SE, Prepar3D v3/v4
Produktseite: Milviz.com

Pro

  • akkurates 3D-Modell mit verschiedenen Konfigurationen
  • scharfe Texturen
  • Integration von TrueGlass und RealLight (nur Prepar3D v4)
  • eigens programmierte Systemlogik ermöglicht realistische Systemtiefe
  • unterschiedlichste Avionik-Ausrüstung möglich
  • Sound-Modul sorgt für authentische Geräuschkulisse

Contra

  • Animation des Propellers nicht gelungen
  • mehr Bemalungen und Modellvarianten wünschenswert
Zusammenfassung
5

Kurzfassung

Eines der besten Buschflugzeuge für den FSX und Prepar3D:Die DHC-3T Turbo Otter von Milviz glänzt mit einem schönen Modell, scharfen Texturen und beeindruckender Systemtiefe.

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5 (1 Bewertung)

Auszeichnungen

  • keine

 

Frank Kuhn für flusinews.de

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Testsystem

Computer-Art: Desktop-PC
Hersteller, Produktbezeichnung: Eigenbau
Betriebssystem: Windows 10 Home, 64bit
verwendete Flusi Version: Prepar3D v4.3

Mainboard: ASRock Z170 Gaming K4
Prozessor: Intel Core i7-6700k @4×4,2GHZ
Arbeitsspeicher: 16GB DDR-4 (2x 8GB)
Grafik: NVIDIA GeForce GTX 1060 6GB
Festplatte (OS): Intenso SSD Sata III
Festplatte (Prepar3D): Crucial MX200 SSD

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Autor

Hallo, ich bin Frank und schreibe seit 2011 für flusinews.de. Damals war unsere Website ein kleines Hobbyprojekt, heute eine wichtige Stimme in der Flugsimulator-Szene – auch wenn wir immer noch in unserer Freizeit schreiben. Auf flusinews.de kümmere ich mich um alles, was irgendwie mit Inhalten zu tun hat. Am liebsten schreibe ich ausführliche Hintergrundberichte über Themen, welche die Szene bewegen.

Bisher immerhin 1 Kommentar. Besser als nichts.

  1. Oh ja, die landen da ständig. Ich war 2008 für sechs Monate in Vancouver. Und das Apartment war in Downtown nur wenige Straßen von „Flugplatz“ entfernt (Alberni Street). Ich konnte sie gut vom Wohnzimmer beobachten. Besonders eindrucksvoll war es, wenn im Hintergrund dann auch noch einer der Ocean Liner zu den Anlegestellen am Canada Place fuhren. Vorn die Otter oder Twin Otter, dahinter der Dampfer und dahinter vor der Kulisse von North Vancouver die Berge. Ich habe auch noch eine Menge Fotos von den Anflügen über den Stanley Park. War eine tolle Zeit 🙂

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