Ein Mitarbeiter der russischen Softwarefirma Eagle Dynamics sitzt aktuell in den Vereinigten Staaten in Haft. Die US-Justiz wirft ihm Schmuggel, eine „Verschwörung gegen die USA“ sowie Verstöße gegen den Arms Export Control Act vor. Nach Erkenntnissen der Behörden soll der Beschuldigte Oleg T. mit Hilfe eines Texaners mehrere Handbücher für die Lockheed Martin F-16 nach Moskau geschmuggelt haben. Außerdem habe T. versucht, Handbücher für die beiden Kampfflugzeuge der Typen F-35 und F-22 zu erlangen. Das berichtete der Standard-Examiner am vergangenen Sonntag.

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Nach Informationen des Standard-Examiner wurde Oleg T. in Georgien verhaftet und danach in die USA ausgeliefert. Grundlage dafür sei eine versiegelte Anklageschrift aus dem Jahr 2016 gewesen. Bei seiner Vernehmung zu den Verstößen gegen den Arms Export Control Act habe T. auf nicht schuldig plädiert. Er habe die Handbücher benötigt, um Module für den beliebten Militär-Flugsimulator DCS World zu entwickeln. Eine offizielle Anfrage bei der US-Regierung sei hingegen keine Option gewesen.

Eagle Dynamics setzt Entwicklung der F-16 fort

Dieser Darstellung widerspricht Matt Wagner von Eagle Dynamics in einem offiziellen Statement vom Dienstagnachmittag. Demzufolge sei das Unternehmen in keiner Weise in die Machenschaften seines Mitarbeiters involviert gewesen. Dieser habe in einem rein privaten Kontext gehandelt und ausschließlich persönliche Interessen verfolgt. Eagle Dynamics selbst entwickle seine Flugzeuge exklusiv auf Basis von öffentlichen Informationen. Man habe auch niemals als geheim klassifizierte Informationen benutzt oder dies versucht. Darüber hinaus seien auch keine Dokumente, die Exportbeschränkungen unterliegen, auf den Systemen des Unternehmens gefunden worden.

Oleg T. sei auch nicht an der Entwicklung der F-16 oder damit zusammenhängenden Recherchen beteiligt gewesen. Matt Wagner bekräftigt, dass sein Unternehmen die Arbeiten an der F-16 und anderen Module wie geplant fortsetzen werde. „Diese Ereignisse werden das Engagement von Eagle Dynamics für seine Nutzer und die treue Gemeinschaft nicht beeinträchtigen“, heißt es wortwörtlich in dem Statement.

Homeland Security an Ermittlungen beteiligt

Ein Mitarbeiter des Heimatschutzministerium teilte die mutmaßliche Verschwörung in zwei Stufen ein. Zunächst habe Oleg T. im Forum von Eagle Dynamics um Hilfe bezüglich des Versands von Handbüchern zur F-16 gebeten. T. habe diese auf Ebay ersteigert, aufgrund von Versandrestriktionen aber nicht nach Moskau verschiffen können. Hier bot ein Mann aus Texas Hilfe an und schickte die Dokumente nach Russland. Gegen ihn hat die US-Justiz jedoch alle Anklagepunkte fallen gelassen.

Im März 2016 habe ein Undercover-Agent des Heimatschutzministeriums den Russen dann über das Forum kontaktiert und sich als Käufer und Verkäufer von Handbüchern für Kampfflugzeuge ausgegeben. In einem Online-Chat äußerste Oleg T. den Wunsch, auch Handbücher für die F-35 und F-22 zu erlangen. Dabei versicherte der Mitarbeiter von Eagle Dynamics offenbar, die Dokumente nicht an Dritte weiterzugeben. Selbst innerhalb des Software-Unternehmens solle nicht jeder Zugriff auf die Handbücher haben, schrieb Oleg T. in dem Online-Chat.

Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, soll der Entwickler auch mehrere Handbücher an Käufer auf Zypern, Japan, den Niederlanden, Australien, Deutschland und Taiwan versteigert haben.

Der Arms Export Control Act

Der Arms Export Control Act stammt aus dem Jahr 1976 und gibt dem US-Präsidenten die Kontrolle über den Export von Verteidigungsgütern. Für die Ausfuhr von sensitiven Waren oder Technologien benötigen Unternehmen sowie Privatpersonen deshalb eine Genehmigung. Details sind in den umfangreichen ITAR-Vorschriften (International Traffic in Arms Regulations) geregelt – auch Handbücher für Kampfflugzeuge fallen darunter. Selbst, wenn sie nicht mehr als geheim eingestuft sind.

Mit der Durchsetzung dieser Regelungen ist das US-amerikanische Außenministerium betraut, folglich stellt es auch die Exportgenehmigungen aus. Dabei beschränkt sich die Zuständigkeit des State Departments nicht nur auf die Vereinigten Staaten. In Bezug auf die ITAR beanspruchen die USA nämlich weltweite Zuständigkeit.


Korrektur vom 14. April 2019: In einer früheren Version des Artikels war von Verstößen gegen den Arms Control Act die Rede. Tatsächlich heißt das Gesetz „Arms Export Control Act“. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Nachtrag vom 14. April 2019, 21:45 Uhr: Wir haben das offizielle Statement von Eagle Dynamics eingearbeitet.

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