Dank einer neuen Version will die Windy City wieder in die höchste Spielklasse aufsteigen – zumindest im Flugsimulator. Das FSDreamTeam hat mit Chicago O’Hare v2 das eigene Werk aus dem Jahr 2008 nicht einfach herausgeputzt, sondern von Grund auf neu erschaffen (Wir berichteten). Dieses Projekt war kein kleines, immerhin markiert Chicago nach Atlanta den zweitmeistfrequentiertesten Airport weltweit. Wie sich dieser riesengroße Flughafen in Prepar3D v4 schlägt und ob sich eine Reise an den Lake Michigan lohnt, das gibt’s hier bei uns im flusinews.de Add-On Check.

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Fakten vorab

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Er ist der Graus jedes Klimaschützers, ein Traumziel für Aviatikenthusiasten: Der Flughafen Chicago O’Hare. Mit vier Terminals, acht Landebahnen und täglich über 2’000 startenden und landenden Flugzeugen bewegt sich dieser Flughafen in für europäische Verhältnisse fast unvorstellbaren Dimensionen. Insgesamt fertigt ‘ORD’ jährlich knapp 80 Millionen Passagiere ab und rangiert damit nach Hartsfield Jackson in Atlanta weltweit auf Rang zwei. Anders, als es der anliegende See vermuten lässt liegt sowohl die Stadt als auch der Flughafen nicht im US-Bundesstaat Michigan, sondern im benachbarten Illinois.

Chicago O’Hare v2 kostet 40 Euro und ist auf der Webseite des FSDreamTeam erhältlich. Kompatibel ist die Szenerie dank voller PBR-Ausstattung nur mit Prepar3D v4.4 oder höher. Download und Installation verlaufen komfortabel über den mitgelieferten Installer, die Webserver von FSDreamTeam ermöglichen eine zügige Download-Geschwindigkeit. Im Anschluss muss die Szenerie noch über den nicht immer ganz beliebten Add-On Manager aktiviert werden.

In unserem Test hat das erst beim zweiten Versuch geklappt, zuvor lief trotz korrekter Aktivierung nur die Demoversion weiter. Dank dieser könnt ihr Chicago übrigens kostenfrei ausprobieren – allerdings nur für fünf Minuten, was bei der Dimension des Airports etwas knapp berechnet ist. Das enthaltene Handbuch enthält alle wichtigen Informationen zum Produkt und zur Installation, darüber hinaus erklärt es einige Features von Chicago noch sehr detailliert. Abgeschlossen wird das PDF-Dokument von über 80 Seiten Kartenmaterial.

Der Flughafen

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Nachdem unser Testsystem die Szenerie ein erstes Mal geladen hatte, berichteten zumindest die Nachbarn, man hätte einen Kiefer nach unten klappen hören. Die dem Vorfeld angrenzenden Gebäude verfügen über gestochen scharfe Texturen. Der Einsatz von Physically Based Rendering ist hervorragend gelungen, die Reflektionen von unterschiedlichem Lichteinfall sehen wirklich gut aus. Auch die Modellierung verschiedenster Objekte, hier fallen unter anderem die hervorragend aussehenden (SODE-animierten) Fluggastbrücken auf, ist gut gelungen.

Dazu wirkt der Flughafen sehr geschäftig, da an jeder Ecke Bodenfahrzeuge über das Vorfeld tuckern. Das ist auch sehr wichtig, denn ohne AI-Traffic würde man sich sonst auf diesem großen Gelände schnell verloren fühlen. Auch sehr schön: Kreuzt sich die vorgegebene Fahrbahn der Fahrzeuge mit eurem Rollweg, halten diese an, bis ihr den Weg wieder freigemacht habt. Das ist ein sehr schönes Feature und damit hebt sich Chicago von zahlreichen anderen Szenerien erneut etwas ab. Lediglich animierte Personen wurden nicht implementiert.

Die Bodentexturen sind schwierig zu bewerten. Alle Rollwege, die vielen Landebahnen und sämtliche Markierungen sehen ordentlich aus. Sie wurden mit gut aufgelösten Texturen ausgestattet und hin und wieder fallen einige Verschmutzungen auf. Abseits der Betonplatten fällt die genutzte Untergrundtextur aber durch. Sie ist unscharf, matschig und an einigen Stellen schlicht unbearbeitet. Da hilft das spärlich platzierte 3D-Gras auch nicht viel. Wirklichen Punktabzug gibt es hier besonders im Winter, denn was hier als Schneetextur durchgehen soll, sieht einfach nur enttäuschend aus. Erneut kaschieren die gefühlt willkürlich platzierten Schneehaufen gar nichts, im Gegenteil.

Was die Einbettung in die Umgebung angeht, hängt es ebenfalls von der Jahreszeit ab. Frühling und Sommer sind etwas zu hell geraten, der Herbst sieht fantastisch aus und der Winter enttäuscht auf ganzer Linie. Das ist besonders schade, da Chicago in den kalten Monaten meist von Schneemassen geprägt ist und damit eigentlich ein besonders interessantes Ziel darstellen würde.

Nachts macht Chicago O’Hare einen sehr soliden Eindruck. Die PBR-Texturen reflektieren verschiedenste Lichtquellen und das dynamische Licht wirkt sehr stimmig. Die Platzierung lässt teilweise einige Fragen offen, da es meist da hell ist, wo eigentlich keine Lichtquelle vorhanden ist. Auch die Lampen selbst bleiben nachts dunkel. Unspektakulär ist die Landebahnbeleuchtung, hier wurde offenbar auf die Standardbibliothek des Flugsimulators gesetzt. Dass das besser geht, haben andere Szenerien bereits mit hübschem Ergebnis gezeigt.

Das Team rund um Umberto Colapicchioni hat sich noch eine technische Spielerei einfallen lassen. Einzelne Parkpositionen verfügen über ein Display, welches mit Ground Services X interagiert. Im regulären Betrieb werden abwechselnd Informationen wie beispielsweise die Gate-Koordinaten angezeigt. Sobald aber ein Flugzeug geparkt und mittels GSX be- oder entladen wird, informiert dieses Display stets über den Status des aktuellen Arbeitsschrittes. Eine nette Spielerei, doch spätestens nach dem zweiten Besuch schenkt man der Anzeige kaum mehr Beachtung. Da hätten scharfe Bodentexturen durchaus mehr Potenzial für langfristige Begeisterung gehabt.

Die Umgebung

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Dieser Abschnitt fällt selten so kurz aus wie hier, denn: Umgebung gibt’s nicht. Gibt’s natürlich schon, ob mit oder ohne Add-On, aber Chicago O’Hare v2 ist direkt am Flughafenzaun fertig. Danach greifen die globalen Texturen, unsere Bilder sind beispielsweise mit FTX Global, openLC North America und Vector entstanden. Darüber hinaus gehört Chicago zu den Metropolen, welche in Prepar3D bereits ab Stange mit einer kleinen Stadtszenerie daher kommen.

Insgesamt schade, dass der Umgebung gar keine Beachtung geschenkt wurde, aber auch verständlich. Spektakulär sind die am Flughafen angrenzenden Quadratkilometer mit Sicherheit nicht. Immerhin: Zu Chicago City X von Drzewiecki Design ist das hier beschriebene Add-On vollständig kompatibel.

Die Performance

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Bezüglich der Ablaufgeschwindigkeit hat das FSDreamTeam wirklich gute Arbeit geleistet. In allen Testphasen lief die Szenerie stets flüssig. Auch mit performancelastigem Fluggerät und hohen Umgebungseinstellungen war Chicago nicht in die Knie zu zwingen und lief nahezu jederzeit mit 30 oder mehr Bildern pro Sekunde. Das dürfte auch eine gute Nachricht für Besitzer eines schwächeren Systems sein.

Das Fazit

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Mit der neuen Version von Chicago liefert Umberto Colapicchioni mit seinem Team eine eigentlich wirklich gute Szenerie ab. Super scharfe und detaillierte Gebäude, ein lebhaftes Vorfeld, saubere Performance: Damit deckt Chicago O’Hare v2 bereits vieles ab, was einen Großflughafen im Simulator ausmacht. Auf der Gegenseite stehen unsaubere Bodentexturen, eine völlig fehlende Umgebung und besonders der hohe Anschaffungspreis. Für 40 Euro müsste man einen absoluten Kracher erwarten können, und das schafft das FSDreamTeam dann doch nicht ganz. Daher gibt es nur vier Sterne, aber trotzdem eine Kaufempfehlung für alle Interessenten.

EntwicklerFSDreamTeam
LizenzPayware
Getestete Version2.0
Preis34.00 US-Dollar (zzgl. MwSt)
Erscheinungsjahr2019
FS-Version(en)Prepar3D v4
Produktseitefsdreamteam.com

Pro

  • sehr schöne Gebäude
  • perfekte PBR-Texturen
  • sehr gute Performance
  • interaktiver Vorfeldverkehr

Contra

  • hoher Preis
  • unscharfe Bodentexturen
  • keine Umgebung enthalten
Zusammenfassung
4

Gute Arbeit geleistet: FSDreamTeam liefert mit Chicago O’Hare v2 eine starke Szenerie ab. Einige markante Schwächen beeinträchtigen jedoch die Bewertung und dazu ist das Add-On außerordentlich teuer.

Sending
Leserbewertung:
2.63 (24 Bewertungen)

Auszeichnungen

  • keine

Ricardo Linsi für flusinews.de

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Testsystem

Computer-Art: Desktop-PC
Hersteller, Produktbezeichnung: n/a (Eigenbau)
Betriebssystem: Windows 10 Pro
verwendete Flusi Version: Prepar3D v4.5

Prozessor: i7 7700K
Arbeitsspeicher: 32GB 3200 MHz
Grafik: NVIDIA GTX 1080 Ti
Festplatte (OS): Samsung 850EVO SSD
Festplatte (P3D): Crucial MX200 SSD


Weitere HD-Bilder

Autor

Ich bin Ricardo und seit Jahren Teil des flusinews.de-Teams. Zusammen mit Frank bin ich für sämtliche Aspekte unserer Inhalte verantwortlich. Ich blicke auf eine abgeschlossene Ausbildung zum Informatiker zurück, die digitale Welt ist daher mein Zuhause. Dazu reise ich viel und ergänze mein Aviatikinteresse zusätzlich mit meiner Arbeit hier als Redakteur.

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