Während der Sommer in Deutschland jetzt definitiv zu Ende ist und sich der ein oder andere virtuelle Pilot vielleicht schon auf die “Simulationsjahreszeit” freut, werden die Temperaturen im Mittelmeerraum wohl noch etwas länger im Bereich um die 20 Grad bleiben. Orbx‘ und Matteo Venezianis Werk Olbia Costa Esmeralda ist mittlerweile zwar keine ganz neue Erscheinung am Szeneriehimmel mehr, trotzdem wollen wir uns die Szenerie einmal etwas genauer anschauen. Wir setzen uns also in den Flieger und statten dem virtuellen Sardinien einen Besuch ab. Was uns dabei erwartet, erfahrt ihr unter Weiterlesen.

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Fakten vorab

Der Flughafen Olbia, der mit vollem Namen Olbia Costa Esmeralda Airport heißt, liegt rund drei Kilometer von der gleichnamigen Stadt entfernt, die auf der Nordostseite Sardiniens gelegen ist. Der Flughafen ist der zweitgrößte von drei Verkehrsflughäfen der Insel und dient mit seiner rund 2.500 Meter langen Piste vor allem innereuropäischen Flügen. Ebendiese soll Ende des Jahres übrigens um 240 Meter verlängert werden, weshalb der gesamte Flughafen für rund 40 Tage schließt und der Betrieb auf den nahegelegenen, kleineren Flughafen Alghero ausgelagert wird. Diese noch bevorstehende Arbeit hat Entwickler Matteo Veneziani in der Szenerie sogar bereits umgesetzt. Dennoch bleibt Olbia aber vor allem wegen der oft böigen Windverhältnisse eine durchaus auch fliegerisch anspruchsvolle Destination, die aufgrund der Küstennähe außerdem einen eindrucksvollen Anflug mitbringt.

Die Orbx-Szenerie kostet auf der hauseigenen Website rund 40 australische Dollar, was aktuell etwa 25 Euro entspricht. Im Gegensatz zu vielen bisher erschienenen Szenerien besteht Kompatibilität ausschließlich zu Prepar3D v4. Der rund 1,73 Gigabyte große Download läuft genau wie die Installation über Orbx Central flott und unkompliziert über die Bühne, so sollte es sein. Im obligatorischen Konfigurator lassen sich einige Einstellungen zu Detailgrad und Einbettung wahlweise in Orbx Global oder FS Global auswählen. Das knapp gefasste Handbuch wartet eher mit entbehrlichen Informationen auf. Durchaus sinnvoll wären dafür Charts gewesen, diese sucht man aber vergeblich.

Der Flughafen Olbia

Beim ersten Betreten des virtuellen Geländes fällt erst einmal nicht wirklich viel ins Auge, was, so stellte sich im Laufe des Tests heraus, geradezu symptomatisch für die Szenerie als Ganzes ist. Alles gibt sich größte Mühe, unscheinbar zu wirken. Die Bodentexturen auf Landebahn und Rollwegen sind gut, wenn auch nicht überragend scharf, die knalligen Vorfeldmarkierungen gelungen getroffen. Dass die Grasflächen leider wieder einmal zu sehr nach Texturbrei aussehen, ist ein mittlerweile bekanntes Problem, das auch Olbia leider nicht wirklich in den Griff bekommt. Trotz spendablem Einsatz von 3D-Gras.

Olbia ist als Feriendestination gerade im Sommer gut besucht und so ist es sicherlich im Sinne der Immersion, die Möglichkeit von statischen Flugzeuge auszunutzen. Wählt man die betreffende Option an, bevölkern Passagiermaschinen verschiedener Charter- und Billigairlines reichlich die Vorfeldpositionen, was aus ausreichender Entfernung hübsch anzusehen ist. Hinter den Fliegern verstecken sich die animierten Jetways, welche sich per SODE steuern lassen. Das daran anschließende Terminal wird von klaren Kanten und übersichtlichen Formen geprägt, auf der technischen Seite haben wir hier wenig zu meckern. Alles ist zufriedenstellend nachgebildet, wenn man einmal von transparenten Fenstern absieht, die es leider nicht ins virtuelle Olbia geschafft haben.

Auch die restlichen Flughafengebäude sind handwerklich ordentlich gefertigt. Alles steht an seinem Platz, hier und da ergänzen herumstehende Absperrungen oder Warencontainer das Gelände. Neben Passagierbussen und Gepäckwägen stehen noch allerlei andere fahrbare Untersätze an den Vorfeldpositionen bereit. Auch die üblichen, dank PeopleFlow animierten Mitarbeiter drehen ihre Runden. Bei diesen wohl gut gemeinten Objekten wird man stellenweise aber leider nicht das Gefühl los, dass sie vielmehr Teil einer Orbx-Standardobjektbibliothek sind. Für ein einzigartiges Flair können sie jedenfalls nicht so recht sorgen.

Die umfangreichen Parkplatzanlagen auf der Landseite des Terminals zeugen von ausreichender Frequentierung, unter den gut nachgebildeten Pagoden steht eine nicht zu verachtende Anzahl an Fahrzeugen. Auf der Suche nach einem Parkplatz merkt der virtuelle Besucher leider schnell, dass die Auflösung des Luftbildes mal wieder das schwächste Glied in der Kette darstellt, und auch die Komplexität der Gebäude nimmt mit der Entfernung zum Terminal leider spürbar ab. Trotzdem, richtig schlecht sieht es auch nicht aus, eben, wie hier so oft, mittelmäßig.

Nachts macht das (natürlich mit dynamischer Beleuchtung) versehene Flughafenareal einen vernünftigen Eindruck. Das Terminal wird zwar deutlich heller angestrahlt als die zu ihm hinführenden Rollwege, ausreichende Orientierung ist aber trotzdem gegeben. Selbiges gilt für die Landebahnbefeuerung, diese leuchtet auch eher sanft. Trotzdem hat der virtuelle Pilot im Anflug keinerlei Probleme, die Runway zu erkennen.

Die Umgebung

Orbx verspricht in der Produktbeschreibung eine rund 130 Quadratkilometer große Abdeckung der Umgebung mit einer Schärfe von 30 cm pro Pixel. Daher schauen wir uns natürlich auch die Flughafenumgebung ganz genau an. Vorab sei verraten: Der Entwickler hat auch hier alles nötige geleistet, die Umgebungsumsetzung gewinnt aber dennoch keinen Schönheitspreis. Aufgrund der Nähe des Flughafens zur Stadt fällt natürlich auch die Umsetzung dieser im Anflug durchaus ins Auge. Von oben gesehen liefert die Szenerie hier ein stimmiges Gesamtbild ab. Die typisch engen Gassen der italienischen Kleinstadt werden durch ausreichend dicht platzierte Gebäude gut getroffen. Wo die Bebauungsdichte nachlässt, schält sich leider der schwammige Boden ans Tageslicht, den man zumindest im Anflug allerdings kaum bemerkt.

Der in seiner Größe nicht zu verachtende Hafen lässt sich in seiner Umsetzung eher als rudimentär beschreiben. Zwar sind die Docks als 3D-Modell nachgestellt worden, die verwendeten Texturen und der Detailgrad lassen aber deutlich zu wünschen übrig. Immerhin, an den Docks liegt das ein oder andere Dickschiff an und auf dem Kai finden sich unter anderem mehrere Containeransammlungen. Schade nur, dass die Hafenanlagen nachts gar nicht beleuchtet werden und so im Lichtermeer der umgebenden Stadt fast unsichtbar werden. Auf der anderen Seite des Airports können wir außerdem die Reste des ehemaligen Flughafens von Olbia, der nun zum Landeplatz der Hubschrauberstaffel umfunktioniert wurde, begutachten. Wer die Herausforderung sucht, kann hier mit einer kleinen Propellermaschine einen Landeversuch starten.

Positiv fällt uns gerade im Anflug die sehr nahtlose Einbettung Olbias in die Umgebung auf, die den Übergang von Flughafengelände zu umgebenden Landschaft besonders im Sommer fast unsichtbar macht. Im Winter gilt dies leider nicht, dort fällt das Gelände mit einem deutlich helleren Farbton aus der Umgebung heraus.

Die Performance

Auf unserem eher schwachen Testsystem läuft die Szenerie leider nur teilweise flüssig, im normalen Zustand ist sie dennoch gut verwendbar. Beim Einsatz von komplexerem Fluggerät gingen die Bildwiederholungsraten dann aber doch stark in den Keller. Insgesamt konnten wir bei unserem Test zwischen 15 und 22 Frames im laufenden Betrieb vermessen.

Das Fazit

Olbia erfüllt das Profil einer Szenerie für den typischen Verkehrsflieger-Simulanten. Alles, was für den Betrieb großer Passagiermaschinen vonnöten ist, funktioniert zufriedenstellend. In manchen Ecken zeigt sich Olbia auch mal von einer guten Seite. Insgesamt ragen aus der Masse an Durchschnittlichkeit allerdings nur wenige positive Details wirklich heraus.

Abseits von Vorfeld und ILS-Anflug fehlt der Szenerie dann aber doch einiges, um auch für VFR-Piloten oder Entdecker wirklich etwas zu bieten. Dazu hat man sich in den entscheidenden Detailfragen einfach nicht genug Mühe gegeben. Wer seine virtuelle Passagiermaschine also schon immer mal nach Sardinien steuern wollte, ist mit Olbia sicherlich nicht schlecht beraten. Andere virtuelle Piloten finden auf dem Markt aber sicherlich spannendere Destinationen.

EntwicklerMatteo Veneziani
PublisherOrbx
LizenzPayware
Getestete Version1.0
Preis39,95 AUD$
Erscheinungsjahr2019
FS-Version(en)Prepar3D v4
ProduktseiteOrbxDirect.com

Pro

  • solide Umsetzung des Flughafengeländes
  • Umgebungsgestaltung ausreichend
  • hohe Dynamik dank statischem und animiertem Verkehr

Contra

  • Szenerie wirkt an vielen Stellen etwas lieblos und langweilig
  • mittelmäßige Performance
Zusammenfassung
3

Kurzfassung

Olbia von Matteo Veneziani und Orbx ist zwar keine schlechte Szenerie, kommt im Ergebnis aber auch nicht über das dargebotene Maß an Mittelmäßigkeit hinweg.

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Leserbewertung:
3 (3 Bewertungen)

Auszeichnungen

  • keine

Till Pauly für flusinews.de

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Testsystem

Computer-Art: Desktop-PC
Hersteller, Produktbezeichnung: n/a (Eigenbau)
Betriebssystem: Windows 10 Home

Prozessor: i5 3470
Arbeitsspeicher: 8GB DDR3 (2x 4GB)
Grafik: nVidia GTX 1050 Ti
Festplatte: Crucial MX300 SSD


Weitere Bilder

Autor

Seitdem ich 2013 das erste Mal durch den FS9 in Kontakt mit der Flugsimulation kam, zählt sie zu meinen Hobbys. Da ich aktuell noch zur Schule gehe, nutze ich meine freie Zeit gerne, um im Segelflieger durch die Lüfte zu gleiten oder virtuell die ein oder andere Passagiermaschine von A nach B zu fliegen. Zum Einsatz kommt bei mir Prepar3D v4. Seit einiger Zeit schreibe ich für flusinews.de und bin sehr froh, hier die Chance zu erhalten, in der Flugsimulations-Szene mitwirken zu können!

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