Am Donnerstagabend ließ Robert Randazzo eine Bombe platzen: Die heiß erwartete PMDG 737NG3 wird nicht für Prepar3D v4 erscheinen. Stattdessen möchte PMDG die generalüberholte Version des weltweit bekannten Verkehrsflugzeugs exklusiv für den neuen Flight Simulator 2020 von Microsoft veröffentlichen. Kein Wunder also, dass die Wellen in der Flugsimulator-Szene hoch schlugen, nachdem Randazzo seinen Beitrag im PMDG-Forum veröffentlicht hatte. Auch wenn der PMDG-Chef die Lage einige Stunden später mit dem Release der 737NGXu für Prepar3D v4 entschärfte, ist jetzt eines klar: Als Plattform für die Masse hat der Flugsimulator von Lockheed Martin keine Zukunft mehr.

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Noch im August veröffentlichte Microsoft kaum Informationen über den neuen FS2020. Das hat sich jetzt allerdings geändert, insbesondere nachdem der Software-Riese aus Redmond ein PR-Event der Extraklasse für ausgewählte Vertreter der Flugsimulator-Szene ausgerichtet hat. Nach und nach präsentiert Microsoft beeindruckende technische Informationen über den Simulator, garniert mit atemberaubenden Bildmaterial.

Der Beitrag von Robert Randazzo deutet nun darauf hin, dass Prepar3D nach der Veröffentlichung des FS2020 schon sehr bald keine Rolle mehr spielen dürfte. Diese Ansicht gab ein ungenannter Beteiligter übrigens schon im Oktober gegenüber dem FS MAGAZIN zu Protokoll, so Bert Groner auf Facebook.

FS2020 kommt wohl mit offener Architektur daher

Kurz nachdem Microsoft die überraschenden Ankündigung über den FS2020 veröffentlichte, äußerte sich Robert Randazzo extrem kritisch gegenüber dem neuen Simulator. So fürchtete der PMDG-Chef unter anderem, dass Microsoft etablierte Vertriebswege für Dritthersteller untergraben könnte. In diesem Fall müssten alle Kunden ihre Add-Ons über Microsoft kaufen anstatt direkt beim Entwickler. Gleichzeitig hätten die Dritthersteller vermutlich hohe Provisionen an Microsoft abdrücken müssen – das schmälert den ohnehin schon mageren Gewinn.

Unwahrscheinlich ist diese Befürchtung nicht. Denn nachhaltige Profite erwirtschaftet man in der Gaming-Szene heutzutage in erster Linie mit sogenannten DLCs – kostenpflichtigen Erweiterungen für das Grundprogramm. Also im Grunde genommen genau das, was wir in der Flugsimulator-Szene seit Jahrzehnten schlichtweg als Add-Ons bezeichnen.

Diese Entwicklung betrifft nicht nur gewöhnliche Computerspiele-Hersteller, sondern auch die Entwickler von neuen Flugsimulatoren. Dovetail Games etwa wollte den gesamten Add-On-Markt für Flight Sim World kontrollieren. Allerdings hatte das Software-Unternehmen die Rechnung ohne wichtige Drittentwickler gemacht und fuhr das Projekt daher knallhart gegen die Wand. Auch das gescheiterte „Flugspiel“ Microsoft Flight basierte auf so einer Marketplace-Architektur und blockierte traditionelle Vertriebswege.

Dass die PMDG 737NG3 jetzt exklusiv für den FS2020 erscheinen soll, deutet allerdings auf eine offene Plattform hin. In Anbetracht der vorherigen Äußerungen Randazzos erscheint es nämlich äußerst unwahrscheinlich, dass sich der PMDG-Chef auf ein geschlossenes Ökosystem eingelassen hätte. Das sind gute Nachrichten – insbesondere für ambitionierte Freeware-Entwickler, die bei einer geschlossenen Marketplace-Architektur zwangsläufig ausgesperrt werden.

PMDG 737NG3 deutet auf Kompatibilität zum FSX und Prepar3D hin

Wenn man dem PMDG-Chef glauben möchte, dann wusste er bis zur überraschenden Ankündigung nichts über den Microsoft Flight Simulator 2020. Es habe zwar einige Gerüchte gegeben, doch diese hätten sich am Ende stets ohne jede Bestätigung verflüchtigt, schrieb Robert Randazzo im Sommer. Diese Aussage legt zwei Dinge nahe. Erstens: Wenn das Unternehmen noch keine Informationen über einen potenziellen FSX-Nachfolger hatte, dann kann es unmöglich schon länger an der PMDG 737NG3 für den FS2020 arbeiten. Zweitens: Es muss einen gewissen Grad an Kompatibilität zum FSX oder Prepar3D geben.

Wäre der FS2020 ein komplett neuer Simulator mit von Grund auf neu programmiertem Code, dann könnte PMDG unmöglich mal eben schnell die Plattform wechseln. Es bleibt also gar keine andere Möglichkeit: Das federführende Game-Studio Asobo aus Frankreich verwendet große Teile des alten Codes aus dem FSX weiter. Dass PMDG neben der Boeing 737 auch noch die Boeing 747, Boeing 777 und die Douglas DC-6 für den Microsoft Flight Simulator veröffentlichen möchte, unterstreicht diese Vermutung. Übrigens hatte Sascha Normann von LimeSim bereits kurz nach dem ersten Ankündigungsvideo auf simFlight.de gemutmaßt, dass FSX-Technik zum Einsatz kommt.

Aus der obigen Vermutung ergibt sich allerdings noch eine weitere Schlussfolgerung: Wenn Robert Randazzo seine PMDG 737NG3 und den Rest der Boeing-Flotte mit moderatem Aufwand für den FS2020 konvertieren kann, dann sollte das für wenig komplexe Produkte wie etwa die Flugzeuge von Carenado erst recht kein Problem darstellen. Auch Szenerien lassen sich vermutlich schnell für den neuen Simulator flottmachen. Das hat die Erfahrung mit dem Umstiegsprozess auf Prepar3D v4 gezeigt. Wir haben das damals mit unsere beliebten Kompatibilitätsübersicht umfassend dokumentiert.

Vieles spricht für schnellen Umstieg auf FS2020

Sowohl die offene Plattform-Architektur, als auch die Abwärtskompatibilität zu Erweiterungen für den FSX und Prepar3D sprechen dafür, dass eine Vielzahl an Flugsimulator-Piloten bereits kurz nach der Veröffentlichung des FS2020 umsteigen könnten. Wenn alle Dritthersteller ihre eigenen Produkte schnell für den neuen Simulator anpassen und Neuentwicklungen versprechen, gibt es eigentlich keinen Grund, noch bei Prepar3D zu bleiben. PMDG hat beides getan, bevor der Microsoft Flight Simulator überhaupt erschienen ist. Andere Entwicklerstudios werden folgen.

Dass der FS2020 seinen Vorgängern grafisch überlegen ist, dürfte wohl kaum jemand bezweifeln. Und wenn der neue Simulator auf ESP-Code basiert, dann kann er in Sachen Flugdynamiken zumindest nicht schlechter als der FSX oder Prepar3D sein. Das alleine ist Grund genug, umzusteigen – die Anziehungswirkung einer hochwertigen Grafikdarstellung war schon immer äußerst hoch. Sicherlich sind einige Variablen noch unbekannt, etwa die benötigte Rechenleistung. Aufgrund der enorm hohen Systemanforderungen von Prepar3D v4 und X-Plane 11 steht bei vielen virtuellen Piloten aber schon heute ein Computer unter dem Schreibtisch, auf den die NASA vor 20 Jahren vermutlich noch neidisch gewesen wäre.

Außerdem gibt es noch eine nicht zu unterschätzende Anzahl an FSX-Nutzern. Einige von ihnen haben schon zum Ausdruck gebracht, Prepar3D einfach zu überspringen und direkt auf den FS2020 umzusteigen. Das wird dem Microsoft Flight Simulator schon kurz nach Release zusätzlichen Auftrieb geben.

Prepar3D bleibt nur für professionelle Anwender interessant

Doch wer nutzt am Ende des Tages dann noch Prepar3D? Die Antwort ist einfach: Niemand. Sicherlich wird es einige Flugsimulator-Piloten geben, die nicht sofort umsteigen möchten und Prepar3D noch eine Weile nutzen werden. Selbst der FS2004 soll auf einigen Rechnern ja noch zum Einsatz kommen. Schlussendlich dürfte Prepar3D nach der Veröffentlichung des FS2020 aber wieder seinen ursprünglichen Verwendungszweck erfüllen.

Eigentlich ist der Simulator nämlich nicht für die persönliche Unterhaltung bestimmt, sondern für professionelle Anwendungen. Das beinhaltet etwa die Ausbildung von Piloten, aber auch militärische Anwendungsszenarien. Im Falle eines breiten Umstiegs auf den FS2020 würde sich die Community daher auch endlich aus der rechtlichen Grauzone in Bezug auf den Endbenutzer-Lizenzvertrag (EULA) herausbewegen. Denn dieser verbietet die Benutzung zur Unterhaltung – eigentlich. Jahrelang hat man sich die EULA aber entsprechend zurecht gebogen.

Und so dürfte sich Prepar3D tatsächlich als alternativlose Sackgasse erweisen.


Hinweis an unsere Leserinnen und Leser: Trotz Pause juckt es einen eben manchmal in den Fingern. 🙂

Autor

Hallo, ich bin Frank und schreibe seit 2011 für flusinews.de. Damals war unsere Website ein kleines Hobbyprojekt, heute eine wichtige Stimme in der Flugsimulator-Szene – auch wenn wir immer noch in unserer Freizeit schreiben. Auf flusinews.de kümmere ich mich um alles, was irgendwie mit Inhalten zu tun hat. Am liebsten schreibe ich ausführliche Hintergrundberichte über Themen, welche die Szene bewegen.

Bisher 11 Kommentare

  1. Hans-Joachim Edelmann Antworten

    Hallo Frank,
    ich war überrascht und erfreut zugleich über die flusinews. Der Artikel war auch für mich als X-Planer sehr informativ.
    Viele Grüße
    Hans-Joachim

  2. Finde ich eine gute Entscheidung, P3D hat in meinen Augen nur für Militär eine Zukunft, nicht aber für den Privatanwender, da ist der neue Simulator von Microsoft weitaus überlegen.

  3. Das sind vorschnelle Schlüsse. Letztlich wird der Markt über das Schicksal von MSFS2020 und P3D entscheiden, und natürlich die Marketingstrategien der Hersteller. Bis auf weiteres wird weiterhin der P3D das Maß der Dinge sein – einfach weil er verfügbar ist und eine weite Verbreitung hat. Da den Fuß in die Tür zu bekommen, wird noch eine harte Nuss für Microsoft.

    • Michael, ich sehe es genau wie Du! Ich bin sehr gespannt wann der MSFS2020 denn wirklich kommt und glaube noch nicht an 2020. Dann ist es wie bei jeder Software dass erstmal beim User weiter entwickelt wird und die Startschwierigkeiten durch updates behoben werden müssen. Über ein Produkt von dem noch relativ wenig Details bekannt sind jetzt schon zu behaupten dass P3D keine Chance mehr hat ist für mich nicht nachvollziehbar.
      Ich glaube viele von uns haben eine Menge Geld in die diversen Flugzeuge, Scenerien und Utilities gesteckt und werden das nicht einfach wegwerfen. Ich denke man sollte in 2 Jahren nochmal eine Bestandsaufnahme machen und dann sehen wir weiter. Während MS sich vor vielen Jahren vom FSX getrennt hat indem man Flugsimulation gewissermaßen aufgegeben hat und nun, da der Markt voll ist mit Simulatoren aller Art stürzt man sich wieder genau auf diesen Markt um ihn aufzumischen – das ist legitim und auch o.k. aber deshalb werde ich persönlich nicht euphorisch.

      • Ich denke da auch wie Du. Das sind wohl eher die Wunschvorstellungen des Autors. Der FS2020 hat bisher nur Optik gezeigt und zwar sehr gute. Und diejenigen die dann in Scharen sofort hinrennen kommen sicher nicht aus der P3D Ecke, sondern aus der Ecke, die wie wild Orthos nutzt und die Foren mit TE Bildern zuballert. Das kann man sich dann 100% schon mal sparen, es also komplett viel einfacher haben.

        Warten wir es einfach ab, jedenfalls kommt es sicher anders als dieser Phantasieartikel sich wünscht.

  4. Wenn man sich der Sache sicher wäre, dann würde man ja nicht ein Jahr vor Veröffentlichung so offensiv darum werben.
    Denn es gibt zwei vollständige und gute Simulatoren mit sehr vielen Addons. Und denen ist klar, dass nur der Mehrwert aus Orthos und 3D Städte nicht ausreichend ist. Deshalb versuchen die ja auch ständig zu erklären, dass alles besser ist. Aber das warten wir mal ab. Vor allem die Preispolitik von diesem Simulator.

    • Viel zu früh solch eine Zukunftsaussicht zu geben.. Ich bin schon seit den späten 80ern „im Business“, da härtet man ab so zu sagen. Abwarten und Tee trinken

  5. Toll, das ihr euch diesem Thema schon widmet. Vielen Dank erst mal dafür. Ich habe im Internet viel gelesen, das User schreiben und schrieben, wer macht dann noch X-Plane! Ich habe von Anfang an gesagt..ne ne es ist nicht X-Plane, sondern P3D wird dann für den normalen User uninteressant, LM wird´s verschmerzen können.Ich jedenfalls freu mich wie ein Kind auf den“neuen“ ! Und dank der momentanen Simulatoren und der damit verbundenen Aufrüstung des PC´s
    sehe ich auch locker den neuen Anforderungen entgegen.

  6. Lustigerweise gibt es in den Posts von Bob Randazzo tatsächlich eine Aussage, die sogar mehrfach wiederholt wird, und auf der man eine Aussage zur Zukunft eines Simulators eventuell treffen könnte: XPlane wird definitiv NICHT mehr unterstützt. Wenn man also einem der gegenwärtig verfügbaren Simulatoren die Zukunftsperspektive absprechen möchte, dann doch wohl XPlane.
    Link: https://forum.pmdg.com/forum/main-forum/general-discussion-news-and-announcements/27037-08nov19-someone-is-wrong-on-the-internet-help-us-fix-them#post27037

    Und natürlich gilt auch, dass wir bisher nur Teaser und vollmundige Ankündigungen zum FS2020 kennen. Auch ich bin seit dem FS2, seit 1982 dabei und habe schon manche Zukunfstprognose gesehen, die nicht eingetroffen ist.

  7. Randazoo hätte 2014 – 2015 noch Erfolg im X-Plane haben können. Heute würde es ihm im XP so gehen wie Milviz.
    Für XP gibt es die ZIBO und viele andere gute Flugzeuge. Niemand braucht da PMDG. Randazoo kann jetzt nur noch hoffen, dass der neue Simulator ein Erfolg wird, sonst kann er sich zusammen mit ASOBO beerdigen lassen.

    P3D war nie der Nachfolger vom FSX. Das war immer eine Kompromisslösung. Auch im Bezug auf die Lizenzen. Die Nachfolger vom FSX (Flight, Dovetail) waren Rohrkrepierer.

    In zwei Jahren sehen wir was los ist.

  8. Der Beitrag ist sehr interessant, birgt aber auch viel Kaffeesatzleserei. Es ist zwar schon vieles angedeutet und man sieht immer wieder Bilder, aber dennoch fehlen wichtige Kernaussagen seitens Microsoft. Ob daher jeder gleich umsteigen wird? Ich denke nur, dass immer noch für den FSX entwickelt wird, obwohl der schon lange totgesagt ist. Aus diesem Grund heißt es erst einmal abwarten, was das Jahr 2020 bringt und wie der Neue dann am Ende vom kommenden Jahr tatsächlich aussieht. Das meine ich besonders in puncto Bezahlerei und persönliche technische Anforderungen. Noch gibt es unzählige offene Fragen. Daher sollten wir schön neugierig bleiben, aber auch sachlich zurückhaltend.

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