Im Dezember 2018 veröffentlichte das relativ unbekannte Entwicklerstudio ATSimulations eine Max Holste MH.1521 Broussard (Wir berichteten). Das französische Buschflugzeug für den FSX und Prepar3D stammt noch aus Zeiten des Algerienkrieges und besitzt aufgrund seines Aussehens auch den Spitznamen „French Beaver“. Heutzutage gilt die Broussard nicht nur wegen ihres ungewöhnlichen Doppelseitenleitwerks als Klassiker und ist gerade auf Flugshows ein beliebter Gast. Grund genug für uns, die MH.1521 genauer unter die Lupe zu nehmen. Warum das Modell ein richtiger Geheimtipp für Buschpiloten ist, könnt ihr jetzt in unserem Testbericht nachlesen.

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Fakten vorab zur Broussard

ATSimulations mag noch kein großer Name in der Szene sein, der Inhaber des Entwicklerstudios ist aber bereits ein richtiger Vollprofi. AT, das sind nämlich die Initialen von Andrey Tsvirenko. Er hat jahrelang für das bekannte Designerstudio SibWings gearbeitet, das mittlerweile jedoch nicht mehr aktiv ist. Nun also ein neuer Anlauf unter eigenem Namen.

Die MH.1521 Broussard ist ausschließlich auf der Website von ATSimulations erhältlich, und zwar für exakt 33 US-Dollar. Kompatibilität besteht zum FSX, der FSX:SE sowie Prepar3D v3 und v4. Die Bezahlung erfolgt wahlweise über Paypal oder Kreditkarte, danach steht der 337 Megabyte große Installer zum Download bereit. Während des Installationsvorgangs muss die beiliegende Seriennummer eingegeben werden, dann kann es auch schon losgehen. Vorher sollte allerdings noch das 33 Seiten lange Handbuch von der Produktseite heruntergeladen werden. Dieses beinhaltet eine Beschreibung aller Schalter und Knöpfe sowie die wichtigen Checklisten. Diese stammen übrigens aus einem französischsprachigen Originaldokument, das hier zum Download bereitsteht.

Was an dieser Stelle jedoch unbedingt gesagt werden muss: Die Broussard benötigt bei jedem Start des Flugsimulators eine aktive Internetverbindung, sonst wird das Modell nicht angezeigt. Nach Angaben des Entwicklers Andrey Tsvirenko dient dies dem Abgleich des Produktschlüssels mit dem Aktivierungsserver, weitere Daten sollen nicht übertragen werden.

Das Flugzeug

Bereits von der Optik her macht die MH.1521 Broussard einen hervorragenden Eindruck und erinnert an die erstklassigen Modelle von Sibwings aus vergangenen Zeiten. Mit viel Liebe zum Detail hat ATSimulations etwa den Sternmotor des Flugzeugs nachgebildet. Doch auch weitere Feinheiten beweisen, dass beim Aussehen keine Kompromisse gemacht wurden. Dazu gehören das ungewöhnlich lange Staurohr an der linken Tragfläche oder die Ösen zur Vertäuung der Maschine an ihrer Parkposition. Besonders eindrucksvoll sind übrigens die Reifen der Broussard, welche am Boden tatsächlich abgeflacht sind.

Beachtlich sind außerdem die Texturen des Flugzeuges. Denn diese weisen nicht nur einen überaus zufriedenstellenden Schärfegrad mit feinen Nuancen an Schmutz auf, sondern auch beinahe schon kriminell gut aussehende Reflexionseffekte. Andrey Tsvirenko beweist damit: Wer sich nur entsprechend Mühe gibt, kann sogar ganz ohne Physically Based Rendering effektive Ergebnisse erzielen. Dabei beschränken sich die Reflexionseffekte nicht nur auf den Rumpf der MH.1521, sondern schließen auch die sich drehende Propellerscheibe mit ein. Das wirkt je nach Sonneneinstrahlung wirklich spitze.

Das Cockpit der Broussard ist wie auch in der Realität ziemlich dunkel geraten, was die Ablesbarkeit der Anzeigen bei ungünstigem Sonnenstand durchaus erschweren kann. Gleichzeitig strahlt der Innenraum aber den unverkennbaren Charme eines alten Flugzeuges aus. Digitale Anzeigen gibt es bis auf ein Garmin-Funkgerät nicht, hier ist alles noch analog. Richtig gut machen sich da auch die zuckenden Nadeln der Instrumente, etwa beim Anlassen oder Gas geben.

Außerdem wackelt die Motorabdeckung, sobald der Antrieb zum Leben erweckt wird. Spuren der Abnutzung vermitteln ein authentisches Bild, die Frontscheibe ist leicht verschmutzt. Während alle Schalter und Knöpfe in englischer Sprache beschriftet sind, handelt es sich bei den Instrumenten um französische Originalteile. Diese interessante Mischung macht die MH.1521 zu einem wahren Unikat und verleitet dazu, mal wieder das verstaubte Französischwörterbuch aus dem Bücherregal zu kramen.

Das einzige Manko ist die Instrumentenbrettbeleuchtung. Diese funktioniert nämlich nur in der Nacht, nicht aber bei schlechtem Wetter oder in der Dämmerung. Das ist ein echtes Problem, was laut Entwickler Andrey Tsvirenko auf Limitationen von Prepar3D zurückzuführen ist. Allerdings weiß diese Erklärung nicht so wirklich zu überzeugen. Schließlich besitzen die Luftfahrzeuge anderer Entwicklerteams ja durchaus funktionierende Nachtbeleuchtung in Prepar3D.

Systeme und Flugdynamiken

Wie bereits im vorherigen Abschnitt erwähnt, besitzt die MH.1521 Broussard bis auf die Funkeinrichtung von Garmin keine digitalen Systeme. Doch wo keine Computer bedient werden müssen, rückt die händische Steuerung des Motors in den Vordergrund. Und im Falle der Broussard hat der virtuelle Pilot da ordentlich zu tun. Wer nicht peinlichst genau darauf achtet, dass Öltemperatur und Öldruck sowie die Zylinderkopftemperatur im grünen Bereich bleiben, der gerät rasch ins Schwitzen. Denn die MH.1521 fängt dann relativ schnell an zu qualmen, und das kann in einen fulminanten Motorbrand münden.

Deshalb ist es von großer Wichtigkeit, stets die richtigen korrekten Werte für Ladedruck, Propellerdrehzahl und Kraftstoffgemisch einzuhalten. Auch die Kühlklappen sollten spätestens während des Steigfluges geöffnet werden, sonst wird es rasch zu heiß im Motorraum. Dieses händische Motor-Management macht richtig Laune und dank den beiliegenden Checklisten hat man den Dreh relativ schnell heraus. Ansonsten gibt es zumindest fürs Anlassen auch ein Tutorial auf YouTube. Außerdem sei noch kurz angemerkt, dass die MH.1521 stets in genau dem Zustand geladen wird, in dem man sie zuvor abgestellt hat – selbst nach einem Neustart des Flugsimulators.

Besonders viel Spaß macht die Maschine allerdings, sobald sie in der Luft ist. Denn ATSimulations hat die hervorragende Kurzstart- und Landeeigenschaften der MH.1521 gut getroffen. Immer wieder beeindruckend sind hierbei die niedrigen Geschwindigkeiten, bei denen die Broussad trotz ihrer Größe noch in der Luft bleibt. Außerdem ist das Flugzeug wendiger, als man in Anbetracht des Leergewichts von fast 1,5 Tonnen denken würde. Dazu passt allerdings auch der eher sportliche Steuerknüppel, welcher statt eines Steuerhorns im Cockpit installiert ist.

Sound und Performance

Die MH.1521 Broussard ist für den charakteristischen Sound ihres Sternmotors und des großen Propellers bekannt. Im Algerienkrieg hat sich diese Geräuschkombination nicht gerade als vorteilhaft erwiesen, denn die feindlichen Guerillakämpfer konnten die herannahenden Truppen dadurch schon von Weitem hören. Im Flugsimulator knattert der Sternmotor ordentlich, lediglich der Propeller könnte noch ein wenig lauter sein. Dennoch ist der Sound äußerst gelungen, zumal auch die obligatorischen Klickgeräusche vorhanden sind.

In Sachen Performance macht die Broussard einen guten Eindruck. Im Test kam es diesbezüglich nämlich nicht zu irgendwelchen Problemen. Zudem ist die Broussard auch kein Flugzeug, mit dem man internationale Großflughäfen ansteuert.

Das Fazit

Wenn es den Titel „unterbewertetes Add-On 2018“ gäbe, die MH.1521 Broussard von ATSimulations wäre ein aussichtsreicher Anwärter. Denn bei diesem Produkt stimmt beinahe alles. Dabei begeistern nicht nur das herausragende Modell und die hervorragenden Texturen. Insbesondere die Motorsimulation ist in hohem Maße gelungen und geht doch deutlich über das übliche Niveau bei Flugzeugen in dieser Preisklasse hinaus. Insofern sind die 33 US-Dollar, mit denen die Broussard zu Buche schlägt, wirklich gut angelegtes Geld.

Gleichzeitig bleibt jedoch zu hoffen, dass Andrey Tsvirenko in Zukunft die fehlerhafte Nachtbeleuchtung behebt. Denn im Zeitalter von Prepar3D v4.4 sollten Limitationen des Flugsimulator eigentlich keine Rolle mehr spielen.

EntwicklerATSimulations
LizenzPayware
Getestete Version1.0
Preis33 US-Dollar
Erscheinungsjahr2018
FS-Version(en)FSX, FSX:SE, Prepar3D (v3/v4)
ProduktseiteATSimulations.com

Pro

  • gutes Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis
  • detailliertes 3D-Modell
  • herausragende Texturen mit exzellenten Reflexionen
  • schöne Animationen (Instrumentennadeln)
  • tiefgehende Motorsimulation
  • authentische Flugdynamiken
  • überzeugendes Soundset

Contra

  • Instrumentenbrettbeleuchtung funktioniert nur in der Nacht
  • aktive Internetverbindung für Nutzung erforderlich
Zusammenfassung
5

Kurzfassung

Die MH.1521 Broussard von ATSimulations ist ein hervorragendes Buschflugzeug für den FSX und Prepar3D mit einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sending
Leserbewertung:
5 (3 Bewertungen)

Auszeichnungen

  • keine

Frank Kuhn für flusinews.de

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Testsystem

Computer-Art: Desktop-PC
Hersteller, Produktbezeichnung: Eigenbau
Betriebssystem: Windows 10 Home, 64bit
verwendete Flusi Version: Prepar3D v4.4

Mainboard: ASRock Z170 Gaming K4
Prozessor: Intel Core i7-6700k @4×4,2GHZ
Arbeitsspeicher: 16GB DDR-4 (2x 8GB)
Grafik: NVIDIA GeForce GTX 1060 6GB
Festplatte (OS): Intenso SSD Sata III
Festplatte (Flugsimulator): Crucial MX200 SSD


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Autor

Hallo, ich bin Frank und schreibe seit 2011 für flusinews.de. Damals war unsere Website ein kleines Hobbyprojekt, heute eine wichtige Stimme in der Flugsimulator-Szene – auch wenn wir immer noch in unserer Freizeit schreiben. Auf flusinews.de kümmere ich mich um alles, was irgendwie mit Inhalten zu tun hat. Am liebsten schreibe ich ausführliche Hintergrundberichte über Themen, welche die Szene bewegen.

Bisher 5 Kommentare

  1. Was ? Aktive Internetverbindung bei Nutzung eines Flugzeug-Addons notwendig ???

    Für mich von vorne herein nicht nur ein klares K.O. Kriterium, sondern zeige dem Entwickler hiermit auch eine Rote Karte. Unglaublich, wird ja immer dreister dieser Kontrollzwang.

    • Reinhard

      Sorry Heinz, dass ich deinen Kommentar (beinahe) worgetreu übernommen, und ihn nochmal unter meinem Namen veröffentlicht habe.
      Wollte damit einfach zeigen, dass ich mit deiner Meinung absolut dacor gehe und es genauso sehe. Falls ich damit unter den anderen Lesern für manche Verwirrung gesorgt habe, so bitte ich dies zu entschuldigen.
      Ich hätte vielleicht doch bei einer eigenen Formulierung bleiben sollen.

      Der wortgetreue Beitrag wurde entfernt, um weitere Verwirrung zu verhindern. Die Redaktion.

  2. Sehr schönes Flugzeug! Diesem Review kann ich mich nahezu vollständig anschließen.
    Leider stellt das Erfordernis einer aktiven Internetverbindung zwecks Abgleich des Produktschlüssels beim Start der Software einen wichtigen (negativen) Punkt dar, der mögliche Interessenten vom Kauf abhält. Wurde auch schon in englisch-sprachigen Foren lebhaft diskutiert.
    Das extrem dunkle Panel (auch wenn es dem Original entspricht) und die fehlende Instrumentenbeleuchtung am Tage sind für mich ein ganz entscheidender negativer Aspekt. Ein komfortables Ablesen der Gauges sowie vernünftige Bedienung sind nur schwerlich möglich.
    Daher kann ich mich den vergebenen 5 Punkten nicht anschließen. (=> 4 bis 4,5)

    Ich nutze das Lorby-Tool „A dynamic flashlight for your cockpit in Prepar3D V4“ und/oder das Freeware Tool „FSL Spotlights“. Damit wird das Panel erheblich besser ausgeleuchtet und einem vernünftigen Fliegen steht nichts mehr im Wege.

    • Frank Kuhn

      Danke für den praktischen Hinweis zur besseren Belichtungssituation, Dieter.

    • „….Leider stellt das Erfordernis einer aktiven Internetverbindung zwecks Abgleich des Produktschlüssels beim Start der Software einen wichtigen (negativen) Punkt dar….“ —> und WAS FÜR EINEN NEGATIVEN PUNKT !!!!

      Bin schockiert wie weit mittlerweile manche Entwickler gehen, nur um nicht zusätzliches Geld und Brainpower in eine kluge Anti-Piraten-Schutzsoftware investieren zu müssen. Sollen sie doch zBsp. bei Flight1 “ in die Lehre gehen “ – die bekommen das mitterweile ziemlich gut hin, ohne die zahlende Klientel damit nerven zu müssen.

      Meine, selbst DCS war nicht so dreist (nachdem sich viele zahlenden User – auch ich, in den Foren darüber sehr aufgeregt hatten), ihren ursprünglich geplanten Off-Line Mode einzuführen, welcher nach 2 Tagen gleich alle Module lahm gelegt hätte, und haben dementsprechend nachgebessert.

      Naja, ich als potentieller Kunde habe ja noch immer das letzte Wort und entscheide in diesem Fall: Daumen auf der ganzen Linie runter, und Kauf definitiv ausgeschlossen.

      Herzliche Grüsse.

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