Premiere bei Aerosoft: Nach 13 Jahren FS-Konferenz in Paderborn und Oberschleißheim ging es dieses Jahr nach Schönefeld in die Bundeshauptstadt Berlin. Auch flusinews.de war selbstverständlich mit einem Stand vor Ort, um mit Besuchern und anderen Ausstellern ins Gespräch zu kommen. Warum die 14. European Flight Simulation Conference in Berlin eine willkommene Abwechslung war, im Vergleich mit den anderen Konferenzen hervorstach und wie uns die Veranstaltung gefallen hat, haben wir nun in diesem Bericht zusammengetragen.

Vorgeschichte

Bereits letztes Jahr kündigte Winfried Diekmann an, dass die FS-Konferenz am Flughafen Paderborn wohl Geschichte sein wird – aufgrund neuer Sicherheitsbestimmungen des Flughafenbetreibers sei dies nicht mehr möglich. Da auch die Flugwerft in Oberschleißheim wegen umfangreicher Umbauarbeiten nicht für eine Konferenz in Betracht kam, machte sich Nathalie Kindel Aerosoft auf die Suche nach einer Alternative.

Groß war dann die Überraschung, als es hieß: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Mit dem Konferenzzentrum am Flughafen Schönefeld konnte ein passender Austragungsort in Flughafennähe gefunden werden.

Der Veranstaltungsort

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Die Location konnte definitiv punkten und war wesentlich angenehmer als das Provisorium in Paderborn. In Berlin gab es keine Absperrgitter im Ausstellerraum, auch war der Saal im Gegensatz zur beinahe arschkalten Fahrzeughalle in Paderborn angenehm beheizt. Die Atmosphäre gestaltete sich demnach gleich viel angenehmer. Trotz der schlechten Ausschilderung des Konferenzzentrums durch den Betreiber bemühte sich Aerosoft sichtlich, die Anreise problemfrei zu gestalten – online war eine Wegbeschreibung einzusehen, am Samstag wiesen einige Schilder auf die FS-Konferenz hin.

Die hätten wir beim Aufbauen auch gut gebrauchen können, der erste Anfahrtsversuch endete nämlich vor dem Terminal A des Schönefelder Flughafens – zu früh abgebogen. Wer mit der S-Bahn anreiste, musste noch einen ca. 650 Meter langen Fußweg auf sich nehmen, für Autofahrer gab es Parkplätze vor der Tür, die in ihrer Anzahl allerdings etwas knapp bemessen waren.

Negativ fiel lediglich der relativ kleine Vortragsraum auf, der auch nach Aussage einiger Besucher etwas größer hätte ausfallen sollen und nur vergleichsweise wenig Platz bot – hier war Paderborn besser ausgestattet.

Aussteller vor Ort

Vor Ort waren zahlreiche Aussteller, darunter das FS Magazin, Flugwerk, Just Flight, GoFlight, die zwei Online-Netzwerke Vatsim und IVAO und zahlreiche Anbieter von Home Cockpit Hardware (simworld aus Polen, ProSim: 737, VIER IM POTT) inklusive den entsprechenden Cockpits zum selbst Ausprobieren. Selbstverständlich durfte auch der Katana-Simulator neben dem Aerosoft-Stand nicht fehlen.

Sehr interessant war auch das Angebot von Arcaze by Simple Solutions, die Elektronik für Selbstbauprojekte präsentierten. Caipirinha Games wiederum präsentierte eine frühe Version eines einsteigerfreundlichen Flugsimulators, der später über Aerosoft veröffentlicht werden soll – doch mehr dazu hoffentlich in Kürze hier bei flusinews.de.

Produktvorstellungen

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Die Produktvorstellungen fanden nicht im Vortragsraum, sondern live an den jeweiligen Messeständen statt – so konnte bei Aerosoft der CRJ über Frankfurt und Sacramento geflogen, die Porter wiederum konnte zeitgleich mit Austria Pro HD West bei Flugwerk getestet werden. Heinrich Rückeshäuser versicherte, dass mit Österreich noch im Sommer zu rechnen sei – 2016, das müsse man ja immer dazu sagen.

Auch dieses Jahr waren die Produktvorstellungen eher etwas mau, da CRJ, Porter und Austria Pro HD bereits in den letzten Jahren zu sehen waren und es somit keine bahnbrechenden Neuheiten gab. Vielleicht sollten die Entwickler dazu übergehen, sich einige Ankündigungen exklusiv für die nächste Konferenz aufzuheben und das Produkt – was dann selbstverständlich schon weitestgehend fertiggestellt sein müsste – dort zu präsentieren. Das ist auf anderen Messen wie der IAA oder der NAMM Show längst Gang und Gäbe – hier werden Jahr für Jahr die neusten Produkte vorgestellt.

Besucher und Entwickler vor Ort

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Fast alle anwesenden Personen waren überaus gesprächig, sodass es schnell zu spannenden Unterhaltungen rund um die Flugsimulation kam. Darüber hinaus waren dieses Jahr einige Größen aus der Flugsimulation vor Ort, darunter Miguel Blaufuks (simMarket), Marcel Felde, Günter Steiner (simFlight.de), Frank Seifert (Erfurt X), Thomas Hirsch (German Airports Team), Hans Hartmann (Digital Aviation), Aimee Sanjari (Dovetail) sowie Johannes Kimla und Heinrich Rückeshäuser (Flugwerk).

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Aufgrund der vielen Unterhaltungen haben wir es leider nicht zu einem der Vorträge geschafft, allerdings berichteten andere Besucher der Konferenz sehr positiv über die Präsentationen von Mario Donick (Flugsimulation zwischen Spiel und Ernst: Entwickler- und Nutzerperspektiven) und Philipp Münzel (Vom Sesselflieger zum Piloten – Was kann am PC trainiert werden?) – insbesondere der letzte Vortrag hatte ganz offensichtlich auch einen hohen Unterhaltungswert und war sehr informativ.

Auch schauten zahlreiche Leser einmal bei uns am Stand vorbei, sagten Hallo und bedankten sich für die Arbeit. Dem neuen Austragungsort Berlin ist es zu verdanken, dass auch Besucher anwesend waren, die eine Reise nach Paderborn oder Oberschleißheim wohl eher nicht unternommen hätten. Das ist schön und sollte bei der Planung für die nächste Konferenz bedacht werden.

Tour über den Pannenflughafen: BER aus der Nähe

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Doch nun zu einem der großen Highlights der EFSC 2016: Der Führung um den Pannenflughafen BER. Zu dieser konnte man sich im Vorfeld kostenlos anmelden, sodass man nur noch rechtzeitig am Treffpunkt direkt vor dem Konferenzzentrum sein musste. Dann ging es erst einmal mit dem Bus über die Autobahn zum Infotower auf dem neuen Airport-Gelände – dieser wird in Kürze abgerissen, um Platz für weitere Gebäude zu schaffen.

Danach ging es weiter zum Terminal-Hauptgebäude, welches von innen besichtigt wurde, und dann noch zu den A380 Gates auf dem Vorfeld. Die Airport-Tour dauerte rund zwei Stunden und zeichnete in erster Linie durch zahlreiche ironische Kommentare, Entsetzen, Staunen und Fassungslosigkeit über dieses fulminante Bauversagen aus. Mir ist es immer noch unbegreiflich, wie die Tourführerin da ernst bleiben konnte.

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Ein anwesender Kameramann meinte zum BER-Debakel nur: „Wie konnte das denn nur passieren? Das ist einfach nur peinlich.“ Und tatsächlich war es irgendwie ein komisches Gefühl, das deutschlandweit bekannte Milliardengrab mal aus der Nähe zu sehen. Der Flughafen macht tatsächlich den Eindruck, er sei komplett fertig, selbst das Terminal könnte wohl jederzeit eröffnet werden. Lediglich der Boden ist mit Holzplatten abgedeckt, um Kratzer zu verhindern. Die Bildschirme funktionieren, auf manchen läuft Pin-Ball. Die rote Kunstinstallation an der Decke, welche eine Verbindung von Boden und Luft symbolisieren soll, hängt ebenfalls schon – ein Besucher fragte ironisch, ob das denn auch zum Brandschutz gehört.

Die Gangways auf dem Vorfeld sind an die elektronische Stromversorgung angeschlossen, rote Warnlampen blinken – obwohl nichts los ist. Aus den Parkplätzen sprießt schon wieder das Gras, die Flughafenfeuerwehr hat einen mittlerweile auch schon wieder total abgeranzten Beachvolleyball-Platz – immerhin! Das war schon ein wirklich einzigartiges Erlebnis, gar keine Frage.

Das Captain’s Dinner – ein (fast) perfekter kulinarischer Erfolg

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Nachdem die EFSC 2016 im 17:00 Uhr dann doch relativ schnell zu Ende ging, war es an der Zeit abzubauen. Im Anschluss verbrachte das flusinews.de Team noch etwas Zeit mit Einkaufen und Nacht-Spotten in Schönefeld, bevor es dann auf das Captain’s Dinner im Restaurant Albergo nahe dem Konferenzzentrum ging. Serviert wurde ein Buffet, was bis auf die versalzene Lasagne – Bert Groner vom FS Magazin kommentierte das mit den Worten „Damit kann man ja die Straße räumen“ – sehr lecker war. Viel wichtiger als das Menü waren aber selbstverständlich die intensiven Gespräche mit Gleichgesinnten.

Und die gab es auch dieses Jahr reichlich, denn das Dinner bietet immer eine prima Atmosphäre für den angeregten Gedankenaustausch. Wer einmal locker mit Größen der Szene plaudern möchte, ist hier richtig. Am nächsten Tag blieben dann noch einige Stunden, um die anderen Ecken Berlins zu erkunden: Wir machten Halt vor dem Brandenburger Tor, dem Bundestag und besuchten das Tempelhofer Feld, bevor es dann schließlich wieder in die Heimat ging.

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Fazit

Mit der European Flight Sim Conference (EFSC) 2016 hat Aerosoft vieles richtig gemacht. Der Austragungsort fernab von Paderborn und Oberschleißheim sorgte für frischen Wind auf der Konferenz – in Berlin konnten so nicht nur neue Besucher, sondern auch neue Aussteller an der Veranstaltung teilnehmen. Die kostenlose Flughafentour war ein zusätzlicher Grund, die Reise nach Schönefeld zu wagen, und das Captain’s Dinner stellte einen gekonnten Abschluss eines anstrengenden, aber schönen Samstages dar. Nicht zuletzt hat Berlin auch noch reichlich Kultur zu bieten, sodass der Besuch der Konferenz mit der Besichtigung diverser Sehenswürdigkeiten in der Stadt kombiniert werden konnte.

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Sicherlich gibt es noch einige Feinheiten, an denen gearbeitet werden sollte: Ein neues Konzept zur Produktvorstellung dürfte für 2017 sicherlich nicht schaden. Darüber hinaus wäre es sicherlich interessant, wenn die Konferenz in Zukunft zwischen verschiedenen deutschen Städten rotieren würde, um auch anderen Flugsimulator-Fans einen Besuch zu ermöglichen. Mögliche Austragungsorte wären etwa die Metropolregionen Rhein-Main oder Köln-Düsseldorf.

Wir von flusinews.de blicken jedenfalls zurück auf einen tollen Tag und freuen uns schon auf die nächste Konferenz.

Weitere Bilder

 
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Autor

Hallo, ich bin Frank und schreibe seit 2011 für flusinews.de. Damals war unsere Website ein kleines Hobbyprojekt, heute eine wichtige Stimme in der Flugsimulator-Szene – auch wenn wir immer noch in unserer Freizeit schreiben. Auf flusinews.de kümmere ich mich um alles, was irgendwie mit Inhalten zu tun hat. Am liebsten schreibe ich ausführliche Hintergrundberichte über Themen, welche die Szene bewegen.

Bisher immerhin 1 Kommentar. Besser als nichts.

  1. Super Bericht, macht sehr, sehr viel Spaß zu lesen. Außerdem Informativ und ausgewogen bei den Themen. Fast könnte man sagen: „Schade dass ich nicht selbst da war“.

    Alles in allem macht der Bericht großen Appetit auf die nächste Sim-Messe. Vielen lieben Dank für die kurzweiligen Zeilen!

    Christian

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