Flap-Flap-Flap: Eine neue Bell UH-1 Huey für den FSX und Prepar3D ist kürzlich gelandet, und zwar die von Military Visualizations (MILVIZ). Das Entwicklerteam hat das alte Add-On, welches damals in Kooperation mit Nemeth Designs entstand, generalüberholt und bietet es nun zum Kauf an. Wir haben uns den Teppichklopfer mal ganz genau angeschaut, finden einen gelungenen Hubschrauber vor und attestieren dem Hersteller absoluten Realitätsverlust beim Produktpreis der „Huey Redux“. Was sonst noch so hängenbleibt – jetzt hier im Add-On Check!

Fakten vorab zur Bell UH-1 Huey

Knapp $50 US-Dollar kostet die modernisierte Bell UH1C/H „Huey“ im Milviz-Store – ganz schön happig. Wer bereits die Vorgängerversion, damals noch eine Kooperation zwischen Nemeth Designs und Milviz, besitzt, bekommt kein Upgrade-Angebot, sondern muss den vollen Preis entrichten. Etwas besser haben es da alle simMarket-Kunden: Hier müssen „nur“ 48.20€ statt 53,55€ gezahlt werden, wenn man Eigentümer des Vorgängers ist – macht ganze 5,35€ Ersparnis. Trotzdem: Die Huey Redux ist viel zu teuer.

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Viele Einstellmöglichkeiten im MVAMS

Nach der zackigen Installation erscheint eine Desktop-Verknüpfung zum Milviz Add-On Management System (MVAMS). Dieses schnieke Programm lässt den Benutzer zahlreiche Optionen auswählen, unter anderem die im Cockpit verbauten GPS-Systeme (Standard GNS, Flight1 GTN 750, gar kein GPS), Türen und Anbauten, den Hubschrauberstatus (Cold&Dark oder Ready to Fly) und auch, welche Crewmitglieder im Cockpit sichtbar sein sollen. Weiterhin wird hier auch der Force Trim Button ausgewählt – doch dazu später mehr. Wichtig jedoch: Prepar3D Nutzer müssen die Schnittstelle „DirectInput“ für die Erkennung der Joystick-Eingaben im Controls-Menü wählen, denn mit der Standard-API „RawInput“ funktioniert das Force Trim nicht – dies wird im 19-seitigen User Guide nicht erwähnt. Weiterhin wird noch ein 444 Seiten starkes Flight Manual mitgeliefert – das ist ordentlich!

Der Hubschrauber

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Von außen sehen die beiden Huey-Modelle vorzüglich aus. Detailliertes Design inklusive Türgriffen und Nieten trifft auf absolut stimmige Reflexionen im Prepar3D v3. Der Rotorkopf wurde akkurat nachgebildet. Die Texturen sind wunderbar scharf, sodass der Drehflügler von außen ein richtiger Hingucker ist. Über den Konfigurator können Extras wie eine Rettungswinde oder Maschinengewehre ein- beziehungsweise ausgeblendet werden. Auch die Türen lassen sich ausbauen, was in der Realität insbesondere zur Gewichtsreduktion oft praktiziert wird.

Zwar wurden die Rotoranimationen überarbeitet, doch leider ist hier viel Potenzial verloren gegangen. Erst einmal wurde vergessen, die Länge des UH-1H Hauptrotors anzupassen – die große Huey trägt den kürzeren Hauptrotor der C. Bei der Gelegenheit hat Milviz auch gleich das Rotorsystem der UH-1C übernommen, was bei der H jedoch nicht mehr verwendet wurde.

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Weiterhin verändert sich der Anstellwinkel bei Veränderung des Collective (für nicht-Hubschrauberpiloten: eines der drei Steuerungsgeräte neben dem Cyclic Stick und den Pedalen) bei laufendem Rotor nicht, die Rotorblätter wirken etwas zu breit und auch die Charakteristika des halbstarren Rotorsystems (Rotoren können wie eine Wippe auf- und abpendeln) wurden nicht implementiert. Das ist alles reichlich schade, denn gerade bei so einem hohen Preis dürfte man mehr erwarten können. Nicht zuletzt ist der Hauptrotor Erkennungsmerkmal der Huey und sollte demnach authentisch umgesetzt sein. Somit trüben die eben genannten Punkte das sonst wirklich exzellente Erscheinen des Außenmodells.

Gelungene Cockpitbeleuchtung
Gelungen: die Cockpitbeleuchtung

Beeindruckende Handwerkskunst gibt es wiederum im virtuellen Cockpit zu bestaunen. Dieses wurde nämlich mitsamt der Kabine umfangreich nachgebildet, jeder Knopf, jeder Schalter und auch die Instrumente sind dreidimensional vorhanden. An manchen Teilen finden sich leichte Gebrauchsspuren, die Texturen geben sich in einer wunderbaren Schärfe – optisch wirklich astrein, die Mühle! Die Entwickler haben sich für das helle Instrumentenpanel entschieden – persönlich gefällt mir das dunklere besser, aber das lässt sich ja mittels Repaints einfach beheben. Was irritiert ist der rote „Starter Button“ am Collective – in der realen Huey ist dieser Knopf auf der Unterseite angebracht und somit nicht zu sehen.

Je nach Einstellungen finden sich unterschiedliche (oder gar keine) Avionik-Geräte auf dem Pedestal-Panel, auf dem Platz des Copiloten und auf der Rückbank können Jungs mit sehr breiten Schultern platznehmen. Erfreulich ist, dass Milviz der Huey Redux endlich auch eine Beleuchtung des Instrumentenbrettes verpasst hat, das fehlte nämlich bei der Vorgängerversion. Bei der UH-1C wurde noch ein Zielvisier für den Gebrauch der Raketen oder Miniguns eingebaut, das sich ein- und ausklappen lässt. Weiterhin findet dort noch das Armament Control Panel im Cockpit.

Systeme und Flugdynamiken

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Schauen wir doch mal, was bei der Huey Redux so unter Haube sitzt. Leider entsprechen die Prozeduren – das sind Hubschrauberpiloten im FSX oder Prepar3D aufgrund der Limitationen aber schon gewohnt – nicht wirklich exakt dem realen Vorbild. Im Großen und Ganzen stimmt zwar alles, es sind aber die Feinheiten, die nicht passen. Da sind beispielsweise die Lichter, welche auch mit ausgeschalteter Batterie laufen. Beim Start der Turbinen klettert die Gas-Producer-Anzeige viel zu schnell nach oben. Immerhin beschleunigt der Rotor nicht in wenigen Sekunden von 0 auf 100, aber im Vergleich zum realen Hubschrauber läuft er dennoch viel zu schnell an. Was auch noch auffällt ist die nicht funktionsfähige Rotorbremse – diese ist nicht einmal klickbar. Das lässt dann doch die Frage aufkommen, warum hier nicht einfach auf die Rotorbremse verzichtet wurde, schließlich gibt es auch Huey-Modelle ohne.

Übrigens wurde auch der ultra-nervige Low-RPM-Warnton (niedrige Rotordrehzahl) umgesetzt – leider ertönt dieser auch, wenn das Torque-Limit (das maximal zulässige Drehmoment) überschritten wird. Für Nutzer des Tacpacks – eine Erweiterung für den FSX/P3D von Vertical Reality Simulations – werden auch funktionsfähige Waffensysteme geboten – aufgrund nicht-Vorhandensein dieser Erweiterung beim Tester bleiben die Kampfmittel in diesem Test aber außen vor.

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Dafür hat man sich bei den Flugdynamiken bemüht, gute Arbeit abzuliefern – und das ist meiner Ansicht nach wirklich gelungen, misst man die Huey Redux am FSX-Standard. Zwar fliegt sie sich immer noch viel zu zahm und etwas wie ein Bus – eigentlich ist die Bell UH-1H sehr viel instabiler und erfordert wesentlich mehr Korrekturen, auch an den Ruderpedalen -, aber dafür hat Milviz zwei Features eingebaut, mit denen sich der Hubschrauber vom restlichen Sortiment abhebt. Zum einen wäre da die „Force Trim“ Funktion. Ältere Hubschrauber wie die Huey verfügen nicht über eine Trimmung wie Flugzeuge, es kann lediglich die Neutralstellung des Sticks verändert werden. Dass Milviz dies in die Huey implementiert hat, ist einfach nur fantastisch: früher waren längere Flüge mit dem Heli eine Katastrophe, weil der Joystick ständig nach vorne oder zur Seite gedrückt werden musste, um den Kurs zu halten. Jetzt muss nur ein Knopf auf dem Joystick gedrückt werden und in der virtuellen Maschine passt sich die Neutralstellung des Sticks an – wunderbar! Leider werden die Ruderpedale auch in eine neue Neutralstellung gesetzt, das wiederum entspricht nicht der Realität.

Das zweite tolle Feature ist die Simulation des Vortex Ring State (VRS): Sinkt der Hubschrauber bei geringen Geschwindigkeiten zu schnell, bildet sich ein Ring aus Luftwirbeln um den Hauptrotor herum, sodass es zu einem extremen, unkontrollierbaren Sinkflug kommt. Der VRS ist ein gefürchtetes Stadium bei Hubschrauberpiloten und sorgt im Flusi für zusätzlich Arbeit bei der Landung – hier muss nämlich der Vertical Speed im Auge behalten werden.

Sound und Performance

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Kommen wir nun: zum Sound. Die Geräuschkulisse der Bell UH-1 Huey ist so charakteristisch, dass in Hollywood-Produktionen und Videospielen oft der Huey-Sound für alle möglichen Hubschrauber verwendet wird – der „Teppichklopfer“, das Flap-Flap-Flap, das klingt einfach einzigartig. Milviz hat es geschafft, diesen ganz besonderen Sound in den Flugsimulator zu übertragen, und zwar vollkommen überzeugend. Herrlich ist das Klopfen des Rotors in der Außenansicht und beim Vorbeiflug. Im Cockpit entsteht ebenfalls eine sehr überzeugende Atmosphäre – inklusive Klicksounds. Sogar das Schlagen der Rotorblätter beim Abheben (Blade Slap Sound) wurde implementiert. In zwei Worten: Der Hammer!

Bezüglich der Performance lässt sich sagen, dass die Huey Redux hier eine gute Figur macht – allerdings handelt es sich auch um ein starkes Testsystem.

Das Fazit

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Die aktuelle Umsetzung der Bell UH-1C und UH-1H Huey von Milviz zählt zweifelsohne zu den besseren Hubschraubern für den FSX und Prepar3D. Das 3D-Modell kann grundsätzlich überzeugen, die Systeme entsprechen immerhin einigermaßen der Realität und zu den Standardkost-Flugdynamiken wurden das wirklich praktische Force Trim sowie die Simulation des Vortex Ring States hinzugefügt. Obendrauf gibt’s noch einen absolut abgefahrenen guten Sound. Doch nun das große Aber: Das Produkt ist einfach viel zu teuer und beinhaltet überdies noch Fehler, die nicht hätten sein müssen – und bei dem Preis erst recht nicht. 30€ wären angemessen, mit einem Upgrade-Preis von 10-15€ für Vorbesitzer der alten Version. So können wir die Huey Redux aber nur allen empfehlen, die unbedingt dieses Modell für den FSX oder Prepar3D haben möchten und nicht schon bedient sind. Wer die Bell UH-1H richtig erleben möchte, sollte auf die DCS-Version (flusinews.de Bericht lesen) zurückgreifen.

Entwickler:Military Visualizations (MILVIZ)
Lizenz:Payware
Getestete Version:1.161104
Preis:$49,99 US-Dollar
Erscheinungsjahr:2016
FS-Version(en):FSX, FSX:SE, Prepar3D v2.5 oder 3.x
Produktseite:MILVIZ-Shop

Pro

  • sehr detailliertes 3D-Modell
  • Milviz Add-On Management System (MVAMS)
  • umfangreiches Handbuch
  • perfektes Soundset inklusive Schlagen der Rotorblätter
  • für FSX/P3D-Standards gute Flugdynamiken
  • Force Trim und Vortex Ring State implementiert

Contra

  • Preis viel zu hoch
  • kein Upgrade-Angebot
  • Rotorsystem der UH-1H inkorrekt
  • Systeme stimmen nur in Grundzügen

Zusammenfassung
3

Kurzfassung

Gute Nachbildung des Hubschrauber-Klassikers Bell UH-1 Huey mit besonderen Features. Leider sind einige grobe Fehler enthalten und das Produkt ist viel zu teuer, ein Upgrade-Angebot existiert auch nicht. Das drückt die Bewertung auf drei Sterne.

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Leserbewertung:
2.5 (6 Bewertungen)

Auszeichnungen

-keine

Frank Kuhn für flusinews.de

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Testsystem

Computer-Art: Desktop-PC
Hersteller, Produktbezeichnung: Eigenbau
Betriebssystem: Windows 10 Home, 64bit
verwendete Flusi Version: Prepar3D 3.4

Mainboard: ASRock Z170 Gaming K4
Prozessor: Intel Core i7-6700k @4×4,2GHZ
Arbeitsspeicher: 16GB DDR-4 (2x 8GB)
Grafik: NVIDIA GeForce GTX 1060 6GB
Festplatte (OS): Intenso SSD Sata III
Festplatte (P3D): Crucial_CT500MX200SSD1

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Autor

Hallo, ich bin Frank und schreibe seit 2011 für flusinews.de. Damals war unsere Website ein kleines Hobbyprojekt, heute eine wichtige Stimme in der Flugsimulator-Szene – auch wenn wir immer noch in unserer Freizeit schreiben. Auf flusinews.de kümmere ich mich um alles, was irgendwie mit Inhalten zu tun hat. Am liebsten schreibe ich ausführliche Hintergrundberichte über Themen, welche die Szene bewegen.

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