Noch im März kritisierten wir die lauwarme Aufbereitungs-Strategie bei Aerosofts Professional-Reihe, schon damals war aber klar, dass beim Projekt Köln/Bonn Professional ein anderer Weg, nämlich der einer kompletten Neuentwicklung gewählt werden würde. Nach den bereits beeindruckenden Preview-Bildern zeigt nun unser Test: Mit Köln/Bonn ist Entwickler Jo Erlend Sund genau das gelungen, was wir von einer “professionellen” Szenerie erwarten. Warum die Szenerie definitiv einer der deutschen Kracher dieses Jahres ist, erfahrt ihr in unserem Add-On-Check!

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Fakten vorab

Aerosoft Köln/Bonn Professional Review

Die letzte Umsetzung des immerhin sechstgrößten deutschen Verkehrsflughafens aus dem Hause Aerosoft stammt noch aus dem Jahre 2012. So freuten sich viele Kunden, als im Oktober letzten Jahres angekündigt wurde, dass sich der renommierte Entwickler Jo Erlend Sund einer Neuumsetzung annimmt. Das Resultat dieser Entwicklung heißt nun “Köln/Bonn Professional”, ist ausschließlich mit Prepar3D v4 kompatibel und kostet im hauseigenen Shop rund 28 Euro.

Alle Bilder in diesem Testbericht sind im Zusammenspiel mit ftx Germany South entstanden.

Der Download umfasst etwa 3,6 Gigabyte und geht, genau wie die Installation, flott und ohne Probleme über die Bühne. Wer die Jetways per SODE andocken lassen will, muss hierzu allerdings einen separaten Ordner herunterladen. Nach der Installation hat man im umfangreichen Konfigurator zunächst die Möglichkeit, an vielen Stellschrauben den Detailgrad der Szenerie anzupassen. Sehr löblich!

Charts werden, wie bei Aerosoft üblich, über NavDataPro mitgeliefert, durch einen Offline-Zugang erhält man im Programm unkompliziert Zugriff. Ein kurzes Manual ist ebenfalls enthalten.

Der Flughafen Köln/Bonn

Das Drehkreuz des Frachtverkehrs im deutschen Westen begrüßt uns mit einem hervorragenden Ersteindruck, welcher Erinnerungen an bisherige Szenerien Jo Erlend Sunds noch einmal übertrifft. Beide Terminals sind äußerst präzise und messerscharf nachgebildet, im Wartebereich hinter der großen, transparenten Fensterfront des Terminal 2 bewegen sich animierte Passagiere im detailliert ausgestalteten Innenraum. An diesen schließen sich die per SODE steuerbaren Jetways an, die dem Terminal in Sachen Qualität in nichts nachstehen. Auch an den anderen Flughafengebäuden gibt es nichts auszusetzen: Knackige Schärfe, realistische Farbgebung und jede Menge Details. Das fängt beim dreidimensional modellierten Schriftzug an der Glasfront des Terminals an und hört bei animierten Toren, die sich öffnen, um Gepäckwägen aufs Rollfeld zu entlassen, noch nicht auf. Erwähnenswert an dieser Stelle: Auch außerhalb des Terminals wurde die detaillierte Ausarbeitung fortgesetzt. Etwa im großen Logistikbereich, hier sorgen massenhaft herumstehende Container und verkehrende Lastwagen für das entsprechende Fracht-Feeling.

Wirklich beeindruckend wird die Liebe zum Detail dann aber auf dem Vorfeld. Natürlich wurde der Apron mit messerscharfen Texturen und überaus authentischen Abnutzungsspuren versehen. Feinheiten, wie beispielsweise zwischen den Betonplatten herausragende 3D-Grashalme oder bei Regen entstehende Pfützen, in denen sich Himmel und Terminal spiegeln, machen das Rollen zur Parkposition dann aber zum ganz großen Kino. Dazu tragen sicherlich auch die massenhaft vorhandenen statischen und animierten Fahrzeuge bei, die einem das Gefühl geben, bereits von einer Bodenmannschaft erwartet zu werden. Generell ist die Qualität der Bodenpolygone extrem hoch, selbst winzige Lichter auf der Rollbahn sind passgenau ausmodelliert. Wie hoch der Detailgrad hier im Einzelnen sein soll, lässt sich im Konfigurator einstellen.

Dahingegen sind die statischen Flugzeuge nur durchschnittlich, ihre Qualität dürfte gerne um einiges höher sein. Ob hier der Rotstift zur Performance-Optimierung angesetzt wurde? Ebenfalls nur mittelmäßig sind die Grastexturen gelungen. Bei näherem Hinsehen ist an diesen nämlich doch eine gewisse Unschärfe zu erkennen, über die auch das platzierte 3D-Grass nicht ganz hinwegtäuschen kann. Ein weiterer Kritikpunkt: Im Frühling und Herbst wirkt der Boden im Vergleich zum realen Vorbild deutlich zu bräunlich, so als wäre der eigentliche Grasboden mit Erde zugeschüttet worden.

Dies gilt aber nicht für den Winter, denn gerade, wenn die kalte Jahreszeit anbricht, präsentiert sich Köln/Bonn als optischer Leckerbissen. Schneespuren auf Rollwegen und Apron, dreidimensionale Schneehügel und solide Texturen sorgen nämlich für echtes Winter-Feeling. Auf dem Vorfeld wurde sogar eine Art Schneeverwehung animiert, über den Beton bewegen sich Schlieren des weißen Pulvers. In der Nacht lohnt sich der Besuch am Flughafen ebenfalls. Sowohl die dynamische Beleuchtung des Vorfelds als auch die Anflug- und Rollweglichter stimmen in Farbe und Helligkeit. Hilfreich, um Kollisionen zu vermeiden, sind dann nebenbei bemerkt auch die eingeschalteten Logo- und Navigationslichter der statischen Maschinen.

Bei einem so großen Flughafen wie Köln/Bonn stellt man sich schnell die Frage, wie weit die Umsetzung auch auf der Landseite des Airport fortgeführt wurde. Die Antwort ist hier: Ausreichend weit! Nahegelegene Infrastruktur wie etwa die Büros der Airlines und Parkhäuser und sind wunderbar ausgestaltet. In eben diesen herrscht übrigens reger Betrieb, auf den ohnehin schon vollen Parkplätzen suchen einige animierte Autos einen freien Platz. Im Anfahrtsbereich des Terminal 2 führt der Detailgrad sogar so weit, dass man sogar die Werbung verschiedener Fluggesellschaften auf den Plakaten erkennen kann. Jenseits dieser Bereiche folgt dann allerdings relativ schnell der Wechsel zu einem mittelmäßig scharfen Luftbild, das nur noch teilweise mit der dazugehörigen Infrastruktur ausgestattet wurde. Dennoch können wir dem Entwickler hier durchaus ein Lob aussprechen.

Die Umgebung

Die Szenerie kommt mit einem rund 1000 Quadratkilometer großen Luftbild daher, das die gesamte Gegend rund um die Köln, Bonn und Leverkusen umfasst. Auf eine detaillierte Umsetzung der Städte wurde allerdings verzichtet. Somit gibt es zur Umgebung auch nicht allzu viel auszuführen, außer, dass das Luftbild für den Anflug auf den Flughafen ausreichend ist, darüber hinaus aber nicht die Schärfe besitzt, um beispielsweise Rundflüge über die Region lohnenswert zu machen.

Der Airport selbst wird aber durch die große Abdeckung gut ins Landschaftsbild eingebettet, gerade der den Flughafen umgebende Wald macht bei hoher Autogen-Dichte einiges her. Gleichwohl wurde auf eine farbliche Anpassung an ftx Germany South von Orbx verzichtet. So ist das Luftbild von Köln/Bonn Professional deutlich brauner, was insbesondere im Frühling für harte Übergänge sorgt.

Die Performance

Im Hinblick auf die beeindruckende Vielfalt an Features und Details schauen gerade Besitzer schwächerer Systeme mit Bange auf die Performance. Doch im Simulator selbst merkt man schnell, wie viel eine gute Performance-Optimierung ausmacht. Selbst bei maximalen Details waren auf unserem sehr schwachen Testsystem noch fast immer über 20 FPS drin. Nachts zeigen sich mit Dynamic Lighting die üblichen Einbußen, auf stärkeren Systemen dürfte aber dennoch alles flüssig laufen.

Das Fazit

Mit Köln/Bonn zeigt Entwickler Jo Erlend Sund, wie die Nachbildung eines großen Verkehrsflughafens im Jahr 2018 auszusehen hat. Nicht nur nutzt die Szenerie konsequent neue Möglichkeiten, besonders die hervorragende Modellierung und die große Liebe zum Detail wissen bei der Erkundung des Flughafens immer wieder zu beeindrucken und sind wegweisend für zukünftige Nachbildungen großer Verkehrsflughäfen. Denn trotz der beachtlichen Größe des Flughafenareals wurden absolut keine Abstriche im Detailgrad gemacht, kein Winkel des Airports wirkt vernachlässigt.

Das Sahnehäubchen setzt dem Szeneriekracher dann noch die Performance auf, die exzellent optimiert ist und eine gute Ablaufgeschwindigkeit selbst auf alten Systemen gewährleistet. Da kann über die wenigen kleineren Mängel ruhig hinweg gesehen werden, Köln/Bonn leistet das, was es soll, in hervorragender Weise und hat sich damit den flusinews.de Hot Tipp verdient!

Publisher

Aerosoft

Entwickler

Jo Erlend Sund

Lizenz

Payware

Getestete Version

1.0.3.0

Preis

27,95€ (Download)
27,99€ (Box)

Erscheinungsjahr

2018

FS-Version(nen)

Prepar3D v4

Produktseite

Aerosoft.com

Pro

  • wahnsinnig detailreiche Umsetzung des Flughafens
  • hochaufgelöste Texturen
  • animierter Verkehr
  • gute Performance

Contra

  • Grastexturen könnten schärfer und grüner sein
  • keine farbliche Anpassung der Bodentexturen an ftx Germany South
Zusammenfassung
5

Kurfassung

Jo Erlend Sund liefert mit Köln/Bonn eine exzellente Szenerie für Prepar3D v4 ab. Das Add-On weiß zu beeindrucken und erfüllt alle Erwartungen, welche wir an die „Professional“-Reihe stellen.

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Auszeichnungen

Aerosoft Köln/Bonn Professional Hot Tipp

Till Pauly für flusinews.de

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Testsystem

Computer-Art: Desktop-PC
Hersteller, Produktbezeichnung: n/a (Eigenbau)
Betriebssystem: Windows 10 Home

Prozessor: i5 3470
Arbeitsspeicher: 8GB DDR3 (2x 4GB)
Grafik: nVidia GTX 1050 Ti
Festplatte: Crucial MX300 SSD


Weitere Bilder zu Köln/Bonn Professional

Autor

Seitdem ich 2013 das erste Mal durch den FS9 in Kontakt mit der Flugsimulation kam, zählt sie zu meinen Hobbys. Da ich aktuell noch zur Schule gehe, nutze ich meine freie Zeit gerne, um im Segelflieger durch die Lüfte zu gleiten oder virtuell die ein oder andere Passagiermaschine von A nach B zu fliegen. Zum Einsatz kommt bei mir Prepar3D v4. Seit einiger Zeit schreibe ich für flusinews.de und bin sehr froh, hier die Chance zu erhalten, in der Flugsimulations-Szene mitwirken zu können!

Bisher immerhin 1 Kommentar. Besser als nichts.

  1. Sehr gutes Review zu dem Flughafen! Ich finde auch dass der Detailgrad v.a. von den Terminals einfach der Kracher ist. Jetzt freue ich mich noch auf einen eventuellen Livestream…

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