Weil viele wohlhabende Freizeit-Piloten mit ihrer Beechcraft V35B Bonanza in tödliche Unfälle verwickelt waren, ist das Modell auch unter dem Spitznamen Doctor Killer bekannt. Die Amateurpiloten unterschätzten dabei oft die anspruchsvollen Flugeigenschaften der Maschine, sodass es zu zahllosen Abstürzen, Inflight-Breakups sowie fatalen Zwischenfällen kam. Im September 2018 hat A2A Simulations die Bonanza für den FSX und Prepar3D v4 veröffentlicht (Wir berichteten). Warum die Accu-Sim Bonanza ein absoluter Pflichtkauf für virtuelle Kleinflugzeug-Piloten ist, erklären wir Euch jetzt im Add-On Check.

Fakten vorab zur Bonanza

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Die Beechcraft V-35B Bonanza von A2A Simulations ist entweder direkt beim Hersteller oder bei zahlreichen anderen Flugsimulator-Shops erhältlich. Je nach verwendetem Simulator schlägt das Kleinflugzeug mit 50 bis 80 US-Dollar zu Buche. Wer den FSX oder Prepar3D v4 in der Academic-Version verwendet, zahlt umgerechnet knapp 43 Euro. Nutzer der Professional-Version von Prepar3D v4 hingegen werden mit satten 70 Euro zur Kasse gebeten, obwohl es keine Unterschiede hinsichtlich der vorhandenen Funktionen gibt. Für diese Preispolitik stand A2A Simulations bereits mehrfach in der Kritik.

Nach dem Kauf gelangt die Bonanza schnell und ohne Probleme auf die heimische Festplatte. Die Installation erfolgt über den neuen Installer von A2A, der ohne die Eingabe einer Seriennummer auskommt und darüber hinaus wirklich exzellent programmiert ist. So installiert das Programm nicht nur alle Produkte von A2A Simulations in den selben Ordner, es gibt auch eine überaus praktische Update-Funktion. Damit können die neusten Aktualisierungen schnell und ohne Probleme heruntergeladen und installiert werden – aufwendige Updates wie mit dem alten Installationsprogramm sind nun Geschichte. Warum sich das noch nicht szenenweit durchgesetzt hat, darüber kann man nur spekulieren.

Das Handbuch ist optisch ansprechend gestaltet und erklärt auf 112 Seiten so ziemlich alles, was für den Betrieb der Bonanza wichtig ist. Dies beinhaltet auch alle Checklisten sowie mehrere Performance-Charts.

Das Flugzeug

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Rein von der Optik her ist die Accu-Sim Bonanza eine wahre Augenweide. Das Erscheinungsbild der V35B haben die Entwickler wunderbar klar herausgearbeitet, jedes noch so kleine Detail ist sichtbar. Das fängt bei dem gründlich modellierten Fahrwerk mit den dünnen Kabeln an, geht über die Lichter an den Tragflächen und hört bei dem einzigartigen V-Leitwerk der Bonanza auf. Übrigens ist das Ruddervator – so die Fachbezeichnung des Leitwerks – auch in Sachen Animationen überaus gelungen. Als Spezialeffekte hat A2A Simulations in der Version für Prepar3D v4 dynamische Lichter eingebaut, welche das Flugzeug und dessen Umgebung beleuchten. Darüber hinaus sind die Innenspiegel der Tip-Tanks voll funktionsfähig; so lässt sich die Position des Fahrwerks verifizieren. Wer diese Funktionen aus Performance-Gründen deaktivieren möchte, kann dies über den entsprechenden Konfigurator tun.

Nicht nur das 3D-Modell selbst, sondern auch die Texturen der Bonanza sind wirklich überragend. Besonders gelungen sind dabei die authentischen Reflexionen des Sonnenlichts auf dem Außenmodell. Dazu kommt, dass selbst kleine Schriftzüge sehr gut leserlich sind – für die obligatorische Pre-Flight-Inspektion ist das unabdingbar.

Im Cockpit setzt sich das Bild von einer ausgezeichneten Modellierung und erstklassigen Texturen fort. Dreidimensionale Instrumenten und penibel nachgebildete Schaltern sowie viele kleine Details – darunter Kugelschreiber, Schrauben, Schilder oder Aufkleber – zeugen von einer liebevollen Reproduktion des realen Vorbilds. Wer es gerne ein wenig altmodisch mag oder ab und zu in seinem Flugzeug übernachtet, kann über den Wartungshangar noch dicke Gardinen, die von einer längst vergangenen Zeit zeugen, im Cockpit installieren. Wenn es dunkel wird, tauchen Instrumenten- und Kabinenbeleuchtung den Innenraum der Bonanza in ein angenehmes Licht. Besonders cool: Die Flutlichter an der Cockpitdecke lassen sich mit der Maus bewegen und beleuchten dann wirklich nur den Teil der Kabine, welcher gerade angestrahlt wird. Und dann sind da natürlich noch die gelungenen Regeneffekte auf der Cockpitscheibe. Wenn man wollte, könnte man die etwas zu sauberen Texturen im Cockpit der Accu-Sim Bonanza kritisieren, denn das Flugzeug wirkt dadurch wie fabrikneu. Das stört aber eigentlich nicht wirklich.

Systeme und Flugdynamiken

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A2A Simulations ist bekannt für die äußerst tiefgehende Simulation wirklich aller Systeme. Auch bei der Beechcraft V35B Bonanza ist es den Entwicklern gelungen, selbst jedes noch so kleine Detail nachzubilden. Das fängt schon beim Pre-Flight-Check an: Wer die Checkliste unsauber abarbeitet und zum Beispiel die Abdeckung am Staurohr vergisst, der braucht sich im Flug nicht wundern, warum die Geschwindigkeitsanzeige nicht funktioniert. Schließlich ist die Anzeige vom dynamischen Druck auf das Staurohr abhängig – und der ist bei vergessener Abdeckung nicht wirklich vorhanden.

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Exzellent umgesetzt ist auch der 285 PS starke Motor vom Typ Continental IO-520B. Beim Anlassen braucht man schon ein wenig Fingerspitzengefühl, damit die Bonanza überhaupt anspringt. Der Trick dabei ist, den Gashebel vor dem Anlassen voll hineinzuschieben und die Treibstoffpumpe nur ganz kurz zu aktivieren. Bleibt der Gashebel nämlich voll herausgezogen, gelangt fast kein Treibstoff in den Ansaugtrakt und der Motor startet nicht. Ist die Treibstoffpumpe zu lange aktiv, wird der Ansaugtrakt hingegen mit Benzin überflutet und der Motor säuft ab (flooded engine). Da hilft dann nur: Gashebel komplett rein, Gemischhebel komplett raus und den Starter gedrückt halten, bis der Motor anspringt. Diese Feinheiten verbessern das technische Verständnis des virtuellen Piloten und machen darüber hinaus einfach Spaß – auch wenn der Flug dann oftmals anders abläuft als geplant.

Selbstverständlich ist der Motor nur ein Teil der detailreichen System-Umsetzung. Die Wetterverhältnisse beeinflussen das Systemverhalten und wer die Bonanza nicht pfleglich behandelt, wird eher früher als später das erste Mal den Wartungshangar aufsuchen müssen – seien es nun kaputte Landeklappen (weil zu früh ausgefahren) oder verölte Zündkerzen (Motor zu lange bei niedriger Drehzahl laufen gelassen). Darüber hinaus funktioniert der Autopilot erstklassig und es können verschiedene Avionik-Geräte eingebaut werden, darunter auch das GTN750 von Flight1 (Review lesen).

Bei den Flugdynamiken macht die Bonanza ihrem Spitznamen Doctor Killer alle Ehre. Die Maschine ist bei Start und Landung äußerst instabil, auch im Reiseflug sehr windanfällig und es bedarf ständig kleiner Korrekturen, um auf Kurs zu bleiben. Scott Gentile, der Chef von A2A Simulations vergleicht die Flugdynamiken der V35B mit denen von Kampfflugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg – und irgendwie ist da was dran. Fliegerisch ähnelt die Bonanza sicherlich mehr einer P-51D Mustang als einer Cessna 172. Man muss also schon ein wenig Zeit investieren, bis man dieses Flugzeug beherrscht.

Sound und Performance

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Gerade in der Allgemeinen Luftfahrt kann man noch ziemlich gut nach Gefühl fliegen. Da ist eine realitätsgetreue Geräuschkulisse immens wichtig. Denn nur so kann man die Töne, welche Motor, Fahrwerk oder Landeklappen so von sich geben, auch richtig interpretieren. A2A Simulations ist es hier gelungen, ein wahnsinnig immersives und lebendiges Soundpaket auf die Beine zu stellen. Im virtuellen Cockpit der Bonanza knarzt die Struktur bei einer zu harten Landung und der Motor gibt am Boden mit einem verzweifelten Gurgeln bekannt, dass er nun gleich absterben wird, sofern man nicht ein wenig mehr Gas gibt. Bei abgestelltem Motor hört man sogar das rotierende Beacon-Licht – da kommt richtig Atmosphäre auf! Einziger Minuspunkt: Außen ist der Sound viel zu leise, selbst wenn der Beobachter direkt neben der Maschine steht.

Bei der Ablaufgeschwindigkeit macht die Accu-Sim Bonanza keine Probleme, insgesamt läuft das Add-On sehr flüssig. In Anbetracht der hohen Komplexität des Modells zeugt das von einer ausgesprochen guten Performance-Optimierung. Offensichtlich besteht allerdings ein Problem mit dem Rauch-Effekt nach der Landung, denn in der Außenansicht bricht die Bildwiederholungsrate nach dem Aufsetzen stark ein. Unter Umständen sollten außerdem die dynamische Beleuchtung sowie die Spiegel deaktiviert werden – je nach Antialiasing-Einstellung können diese Funktionen nämlich für temporäre Einbrüche bei der Ablaufgeschwindigkeit sorgen.

Das Fazit

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Mit der V35B Bonanza zementiert A2A Simulations seinen Status als Premium-Hersteller für realistische Luftfahrzeuge im FSX und Prepar3D. Die Entwickler liefern ein GA-Flugzeug ab, das keine Wünsche offen lässt und auch langfristig viel Spaß verspricht. Egal ob es um das 3D-Modell, die tiefgehende Simulation des Motors, den grandiosen Sound oder die anspruchsvollen Flugdynamiken geht – dem Team von Scott Gentile kann einfach niemand das Wasser reichen. Wer Kleinflugzeuge in seinem Simulator bewegt, für den ist die Accu-Sim Bonanza also ein absoluter Pflichtkauf.

Entwickler: A2A Simulations
Lizenz: Payware
Getestete Version: 18.9.29.0
Preis US$ 49,99 (Prepar3D Academic | FSX)

US$ 79,99 (Prepar3D Professional)

Erscheinungsjahr: 2018
FS-Version(en): FSX, FSX:SE, Prepar3D v4
Produktseite: A2ASimulations.com (FSX | Prepar3D)

Pro

  • sorgfältig ausmodelliertes 3D-Modell
  • wundervolle Texturen
  • Lichteffekte
  • umfangreicher Pre-Flight-Check implementiert
  • tiefgehende Simulation von Motor und Systemen
  • anspruchsvolle und authentische Flugdynamiken
  • immersives und lebendiges Soundpaket

Contra

  • Preispolitik von A2A Simulations
  • Sound in der Außenansicht zu leise
Zusammenfassung
5

Kurzfassung

Außergewöhnliches Flugzeug – nicht nur wegen des V-Leitwerks: Mit der V35B Bonanza hat das Team von Scott Gentile ein weiteres Meisterwerk geschaffen. A2A Simulations zeigt wieder einmal, dass ihre Add-Ons in Sachen Realismus das Non-Plus-Ultra sind.

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Auszeichnungen

 

Frank Kuhn für flusinews.de

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Testsystem

Computer-Art: Desktop-PC
Hersteller, Produktbezeichnung: Eigenbau
Betriebssystem: Windows 10 Home, 64bit
verwendete Flusi Version: Prepar3D v4.3

Mainboard: ASRock Z170 Gaming K4
Prozessor: Intel Core i7-6700k @4×4,2GHZ
Arbeitsspeicher: 16GB DDR-4 (2x 8GB)
Grafik: NVIDIA GeForce GTX 1060 6GB
Festplatte (OS): Intenso SSD Sata III
Festplatte (Prepar3D): Crucial MX200 SSD

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Autor

Hallo, ich bin Frank und schreibe seit 2011 für flusinews.de. Damals war unsere Website ein kleines Hobbyprojekt, heute eine wichtige Stimme in der Flugsimulator-Szene – auch wenn wir immer noch in unserer Freizeit schreiben. Auf flusinews.de kümmere ich mich um alles, was irgendwie mit Inhalten zu tun hat. Am liebsten schreibe ich ausführliche Hintergrundberichte über Themen, welche die Szene bewegen.

Bisher 3 Kommentare

  1. Ich kann dem Test nur voll und ganz zustimmen, für mich ist A2A das Maß aller Dinge bei den Devs.
    Deswegen auch der Hinweis, bei meinem Vote ist was schiefgegangen, ich wollte 5 Sterne geben, aber jetzt ist der Mittelwert 2.5 nach 2 Votes, also hat er wohl 0 genommen…mea culpa!

    • Ricardo Linsi

      Hallo Klaus,

      ich habe eben nachgesehen – keine Angst, deine Bewertung wurde korrekt übernommen. 🙂

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