John Jensen von Vidan Design arbeitet sich seit Jahren an der szenischen Umsetzung seiner Heimat Dänemark ab. Sein neuestes Machwerk ist der im Norden Jütlands gelegene Flughafen von Aalborg, mit dem er eine weitere Lücke innerhalb der nordischen Destinationen schließt. Warum John aus dem eigentlich ziemlich schnörkellosen Platz das Beste herausgeholt hat, erfahrt ihr unter Weiterlesen.

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Fakten vorab

Der Flughafen Aalborg hat eine beachtliche Größe, da seine militärische Bedeutung in der Vergangenheit größer war, als man beim Blick auf das schicke Passagierterminal vermuten möchte. Aalborg war schon im zweiten Weltkrieg ein wichtiger Stützpunkt der Luftwaffe und Zwischenstation von deutschen Maschinen auf dem Weg zur schrecklichen Fortsetzung des Unternehmens Weserübung in Norwegen. Nach dem Krieg nutzte die dänische Luftwaffe die Anlagen weiter und hatte zeitweise ein beachtliches Aufgebot vor Ort stationiert, wovon die zahlreichen und von Vidan Design detailliert nachgebildeten Bunker bzw. Hangars zeugen. Seit Anfang der 2000er ist hier nur noch je ein Schwarm C-130 Hercules und Bombardier Challenger ansässig – die zivile Bedeutung des Flughafens ist also in den Vordergrund getreten und mit 1,5 Millionen Passagieren im Jahr 2017 am viertgrößten Airport Dänemarks durchaus beachtlich. Anzutreffen sind hier vor allem SAS, Norwegian, KLM und Ryanair.

Die Produkte von Vidan Design gibt es im hauseigenen Downloadshop, bei Aerosoft und dem im simMarket. Unser Bewertungsobjekt Aalborg X ist derzeit für 21,85€ zu haben, der Download umfasst 755 Megabyte und die derzeit aktuellste Version trägt die Ziffer 1.1. Mitgeliefert wird auch ein Szeneriekonfigurator, bei dem man die Jahreszeiten sowie den Detailgrad auf dem Flughafen seinen eigenen System-Ressourcen entsprechend angleichen kann. Karten finden wir nicht, dafür eine kleine Anleitung zum Aktivieren der Szenerie innerhalb des Flugsimulators. Das sollte bei knapp 22 Euro unserer Meinung nach eigentlich von Selbst funktionieren, aber schauen wir lieber auf die Umsetzung des Projektes.

Der Flughafen Aalborg

Der militärische Teil des Platzes wurde detailverliebt umgesetzt. Wir finden hier die weitgehend intakten Unterstände für eine große Anzahl Militärflieger und bei der „Begehung“ des riesigen Gebiets stellen wir nicht weniger als vier verschiedene, handmodellierte Typen von Hangars fest, die über diverse Rollwege untereinander und mit den zwei Startbahnen verbunden sind. Da große Teile davon heute ungenutzt sind, sind sie dann auch nachts unbeleuchtet. Auf dem Vorfeld der Hercules-Hangars stehen zwei toll anzuschauende Maschinen und Ölflecken auf dem Asphalt zeugen vom Alter der Transportallrounder. Im Anflug sollte man sich übrigens hüten, die beiden extrem dicht beieinander liegenden Rollbahnen zu verwechseln! Hier sollte man sich vorher mit den Örtlichkeiten vertraut machen.

Im zivilen Teil setzt sich John Jensens Liebe zum Detail fort. Das 2013 eröffnete, neue Terminal macht mittels einer Mischung aus gekonnten Fassadentexturen und ein wenig Inneneinrichtung tagsüber, aber insbesondere auch nachts optisch richtig was her. Überall auf dem Vorfeld stehen flughafenspezifische Gegenstände herum, bewegen sich Fahrzeuge und Personen und wirklich jedes Gebäude macht einem klar, dass hier ein Designer am Werk war, der bereits einige Jahre Erfahrung mitbringt. Es macht Spaß, die dänischen Bezeichnungen an Häusern und an Reklameschildern zu lesen, denn bis hin zur Tafel für die Parkgebühren ist alles gestochen scharf lesbar. Die korrekt platzierten und eigens modellierten Bäume sind übrigens auch richtig hübsch und hängen den ftx Trees höchstens minimal in der Texturschärfe hinterher.

Im Luftbild sind leider einige Wege und Straßen unscharf, aber mit diesem Problem müssen wir uns wohl bei nahezu jeder Fototapete auseinandersetzen. Drei der vier Jahreszeiten sind ansprechend umgesetzt, lediglich der Winter ist ein bisschen zu steril geraten. Zwar gibt es auf den Wiesenflächen des Platzes im Schnee sichtbare Mähspuren und auch die Häuserdächer sehen gut aus, aber die Texturen der Rollwege und Pisten sind einfach nicht gut getroffen und wirken so nicht authentisch genug. Hier könnte man mit besseren Schneeverwehungen à la Kiruna von Orbx (Review lesen) nacharbeiten. Außerdem sollte in Zukunft vielleicht auf automatische Jahreszeitenumstellung der Texturen geachtet werden, wie es zum Beispiel Jo Erlend Sund in Trondheim v2 (Review lesen) vormacht. Vergisst man das Umstellen, erlebt man im Simulatorsommer nämlich weiß gepuderte Bäume und Runways, während der Rest der Szenerie einen Mittelweg wählt.

Trotzdem: Aalborg ist in der Kargheit seines Vorbildes gut getroffen. Es ist schlicht, flach und in höchstem Maße unspektakulär. Einfach nur ein Platz zum Starten und Landen – und doch handwerklich solide gefertigt.

In der Nacht sind die meisten Teile des Flughafens stockfinster, lediglich das Vorfeld jeweils im militärischen und zivilen Teil ist durch das dynamische Licht in Prepar3D angenehm und ausreichend illuminiert. Wie bereits erwähnt, ist das Passagierterminal nachts eine Augenweide, um nicht zu sagen ein richtig skandinavischer Lampenladen. Der dänische Lebensstil „Hygge“ (viel Licht und Gemütlichkeit) wurde hier offenbar schon von Planungswegen her beschritten.

Die Umgebung

Der Flughafen von Aalborg liegt nordwestlich der viertgrößten Stadt Dänemarks und ist gut in die Umgebung von ftx Global eingebettet. Auf die Umsetzung der Großstadt selbst wurde verzichtet, denn hierfür bietet John Jensen mit Jutland North eine gute Alternative an (allerdings nicht mehr mit Prepar3D v4 kompatibel). Beim ersten Blick auf den Platz und seine Umgebung fällt das gut gemachte Luftbild auf, welches jahreszeitenspezifisch andere Grün- oder Grautöne mitbringt. Am Boden wirkt das Ganze dann zwar schnell verwischt, aber dieser Kompromiss wird wohl im Simulator für immer ein Makel bleiben. Es ist also grundsätzlich „nur“ das Flughafengelände selbst abgebildet, womit aber aber absolut leben kann.

Die Performance

Auf dem Platz sind keine erwähnbaren Performance-Einbußen zu verzeichnen. Auf schwächeren Systemen sollten gegebenenfalls das Dynamische Licht ausgeschaltet und im Szeneriekonfigurator einige Funktionen abgestellt werden. Hier zeigt sich einmal mehr, dass Vidan Design auch bei der technischen Entwicklung nicht stehen bleibt und die in früheren Szenerien zum Teil bestehenden Performance-Probleme erkannt und Aalborg X dahingehend optimiert hat.

Das Fazit

John von Vidan Design hat es mal wieder geschafft, einen wichtigen Flughafen seiner Heimat so umzusetzen, wie er sich auch in der Realität darstellt. Mittels eigener Fotografien gelingt ihm die Modellierung von Gebäuden, Fahrzeugen und des allgemeinen Layouts des Platzes in einem Detailgrad, den man sich bei wesentlich teureren und größeren Umsetzungen bekannterer Destinationen manchmal wünscht. Und obwohl Aalborg aufgrund seiner Lage vielleicht nicht unbedingt von Natur aus in das Reportoire jedes Simulatorveteranen gehört, ist man hier als Gelegenheitsflieger der allgemeinen Luftfahrt oder als Mitglied eines Online-Gruppenfluges oder einer virtuellen Airline gut aufgehoben.

Wenn in Zukunft noch ein bisschen an den Wintertexturen gedreht wird, hat Aalborg auch im Nachgang noch Potenzial – zum Beispiel in einer neuen, zu diskutierenden Rubrik: flusinews.de Hot Tipp für spektakuläre Umsetzungen total unspektakulärer Flugplätze. Mange takk, John, für ein weiteres Puzzlestück im skandinavischen Simulator-Norden!

EntwicklerVidan Design
LizenzPayware
Getestete Version1.1
Preis21,86 Euro
Erscheinungsjahr2018
FS-Version(en)FSX, FSX:SE, Prepar3D v4
Produktseitevidandesign.com

Pro

  • sehr gute Umsetzung auf dem Vorfeld
  • gute Einbettung in die Umgebung
  • hoher Modellierungsgrad bei Gebäuden und statischen Objekten
  • sehr performancefreundlich

Contra

  • Wintertexturen auf Landebahnen und Taxiways unzureichend
  • manuelle Szenerie-Aktivierung nötig
Zusammenfassung
4

Kurzfassung

Vidan Designs Aalborg X ist ein handwerklich exzellent gefertigtes Abbild eines mittelgroßen nordeuropäischen Flughafens in allen Facetten.

Sending
Leserbewertung:
3.33 (6 Bewertungen)

Auszeichnungen

  • keine

Jens Leuteritz für flusinews.de

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Testsystem

Computer-Art: Desktop-PC
Hersteller, Produktbezeichnung: Eigenbau
Betriebssystem: Windows 10 Home, 64bit
verwendete Flusi Version: Prepar3D v4

Mainboard: ASUS ROG Strix Z270E Gaming
Prozessor: Intel Core i7-7700k @4×4,5GHZ
Arbeitsspeicher: 32GB DDR-4 (2x 16GB)
Grafik: NVIDIA GeForce GTX 1070 Strix 8GB
Festplatte (OS): Adata SP900 SATA III SSD
Festplatte (P3D): Samsung 960 Evo M.2 SSD


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Autor

Mein Name ist Jens Leuteritz und ich bin seit Anfang 2015 bei flusinews.de dabei. Meine Flugsimulatorlaufbahn teilt sich in zwei Abschnitte auf: Als Jugendlicher fesselten mich vor allem der FS2002 und der FS9, und nach etlichen Jahren fliegerischer Abstinenz stieg ich dann 2014 mit dem FSX und zahlreichen Add-Ons wieder voll ins „Geschäft" ein.Die Fülle an Szenerien und professionellen Fliegern, aber auch die riesige Community reizten mich, die Erfahrungen anderer Nutzer nicht nur zu konsumieren, sondern selbst mit Tests und Reviews zum Auskommen der Szene beizutragen. Um meine Brötchen zu verdienen, arbeite ich nach dem Studium mittlerweile als Fahrdienstleiter bei der DB Netz AG und gebe, wie es im Jobportal heißt, „Zügen Regieanweisungen“.Im Flightsimulator reizen mich vor allem die Landschaftsdarstellungen der nördlichen Hemisphäre, die ich immer wieder mit großen und kleinen Fliegern unter die Lupe nehme. Von hochdetaillierten Airlinern und virtuellen Airlines habe ich mich mittlerweile aufgrund der schwachen Performancestruktur des FSX distanziert und bin nun fast nur noch als GA unterwegs.

Bisher 3 Kommentare

  1. Was mich am Platz Aalborg fasziniert, ist seine Lage mitten in der „Wetterküche“ des Skagerrak / Kattegatt und seine zentrale Lage als Bindeglied zwischen Kopenhagen und Oslo / Torp oder Göteborg. Mit Wetter-App anspruchsvolle „feierabendtaugliche“ Distanzen, wenn man etwas schneller unterwegs ist.

  2. Auf simmarket.com steht nur kompatibel mit p3dv4. Kann man AALBORG X auch für p3dv3 nutzen ?

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